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Aktuell: DER MAUERANKER 03-04/2012
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Interessengemeinschaft Baupflege Nordfriesland & Dithmarschen
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Aus dem Inhalt:
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Inhalt:

Handbuch Eiderstedter Haubarge

Instandsetzung vorn Ziegelmauerwerk

Über Ziegel und Ziegeleien in Nordfriesland

125 Jahre Marschbahn

Das Husumer Stadtbild ist ein Bilderbuch der Stadtgeschichte

Das bedrohte Haus: Das "Küsterhaus" in Niebüll

Das Hans-Momsen-Haus wird Lernort und Museum

Der Stromverbrauch in Deutschland und die EEG-Umlage

Die perverse Tyrannei der Enkaufstempel

Einladung zur Jahreshauptversammlung

Vogel des Jahres: Die Bekassine

Tagung der Haubargforscher im Roten

ma312abb01Unter diesem Titel veranstaltete die Interessengemeinschaft Baupflege Nordfriesland & Dithmarschen
e. V. (IGB) in Zusammenarbeit mit dem Heimatbund Landschaft Eiderstedt e. V. eine Tagung im Roten Haubarg, die den Eiderstedter Haubargen gewidmet war.

Bereits im vergangenen Jahr war das Thema Inhalt einer Haubarg-Tagung in Garding, die mit dem Ziel geplant war, die Geschichte der Eiderstedter Haubarge vom Beginn ihrer Einführung zu Beginn des 17. Jahrhunderts bis in die Gegenwart zu dokumentieren und unter dem Titel „Handbuch der Eiderstedter Haubarge“ zu inventarisieren.

Damit kann eine große Lücke in der Hausforschung und in der Wirtschafts- und Sozialgeschichte mit all ihren Facetten geschlossen werden. Es ist erstaunlich, dass, obwohl viele Einzelbearbeitungen über Haubarge in Jahrbüchern, Zeitschriften und Ortschroniken zu finden sind, es keine Auflistung der in Eiderstedt über die vier Jahrhunderte gebauten Gebäude gibt. Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg hatte der Landeskonservator in Kiel mit einer Inventarisierung begonnen. Aber dieses Verzeichnis, das sich im Archiv des Landesamtes für Denkmalpflege befindet, wurde fortgesetzt.ma312abb02

Einen Versuch, die Haubarge zu inventarisieren, hatte es schon vorher gegeben: Dr. Rudolf Muuß untersuchte während seiner Zeit als Gemeindepastor in Tating 1920–30 mit großem Fleiß und mit erstaunlicher Sachkunde einen großen Teil der Haubarge, beschrieb und fotografierte die Gebäude. Zudem studierte er die vorhandene Literatur und fasste seine Forschungsergebnisse in einem Manukript für eine Buchausgabe zusammen.

Das Buch, das von Muuß am 7. Februar 1929 in den Eiderstedter Nachrichten angekündigt wurde, war aber aus verschiedenen Gründen nicht erschienen.

In der Ankündigung hieß es damals:

ma312abb03„...Den meisten Lesern wird bekannt sein, dass das Eiderstedter bäuerliche Großhaus, genannt ,Haubarg‘, seit etwa einem Jahr eingehend untersucht wird. Bei der geringen Anzahl dieses Haustyps besteht die Gefahr, dass der Haubarg in absehbarer Zeit verschwindet oder doch nur in veränderter, oft entstellter Form vorhanden ist.

Jeder Haubarg wird fotografiert,ma312abb04 möglichst von mehreren Seiten oder zu verschiedenen Jahreszeiten, so dass ein ziemlich vollständiges Bild der heutigen Haubarge besteht.“ Am Schluss des Artikels heißt es: „Ein Buch über den Eiderstedter Haubarg wird im Lauf des Sommers erscheinen (mit etwa hundert Bildern und einer Radierung von Professor Alex Eckener). [...] Das Buch wird 20:30 cm haben. Es wird zum Schluss eine Statistik über sämtliche heute noch vorhandenen Haubarge haben. Dr. Muuß, Tating“

Dieses Buchmanuskript und weit mehr als hundert Fotos, die Rudolf Muuß hinterlassen hat, sind von seinen Söhnen aufbewahrt worden und der IGB vor einiger Zeit zur Verfügung gestellt worden und dem Archiv im Heimatbund Landschaft Eiderstedt übereignet worden. Die Fotos aus einer Zeit, in der die Fotografie noch nicht jedermanns Sache war, zeigen zahlreiche Haubarge, die es schon lange nicht mehr gibt, darunter eine ganze Reihe, von denen es gar keine weiteren Abbildungen gibt.

ma312abb05Das Manuskript offenbart, das, was im Zeitungstext beschrieben wurde: Eine fundierte, Untersuchung der landwirtschaftlichen Entwicklung in Eiderstedt in Abhängigkeit der dazu nötigen Gebäude.

Es spiegelt den Forschungsstand der Zeit um 1930 wider, wirft Fragen nach der Herkunft des Haustyps auf und verdient daher, posthum trotz des großen zeitlichen Abstandes als Buch herausgegeben zu werden.

Daran arbeitet der Arbeitskreis Eiderstedter Haubarge gegenwärtig. Das Buch wird im kommenden Jahr in Druck gehen als ein Dokument der Hausforschung in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts und als wichtige Quelle für die damalige Entwicklung der Landwirtschaft, die sich von der Nutzung der Haubarge mehr und ma312abb06mehr entfernte. Nur einige wenige Haubarge wurden um die Wende vom 19. Ins 20. Jahrhundert errichtet, als die Hausform längst nicht mehr den Bedürfnissen der Landwirtschaft befriedigen konnte.

Den weitesten Weg zum Roten Haubarg hatte Peter Lückerath, Architekt in Köln. Er hat in drei Jahrzehnten, in denen er seinen Urlaub in Eiderstedt verbrachte, die wohl umfassendste und detaillierteste Sammlung zum Thema „Handbuch Eiderstedter Haubarge“ zusammengetragen und neben der Feldarbeit ein großes Pensum an Arbeit in den Archiven geleistet.

Lückerath hat dem Arbeitkreis, dem er angehört, angeboten, sein Material für die Herausgabe eines Handbuchs zur Verfügung zu stellen und es für den Druck vorzubereiten. Nach dem ersten Band des Handbuchs, der dem Werk von Rudolf Muuß gewidmet ist, wird die Arbeit von Peter Lückerath als Band 2 und als Kernstück des mehrbändigen Handbuchs voraussichtlich 2014 in Druck gehen.

 

Der Arbeitskreis

ma312abb07Die Interessengemeinschaft Baupflege hat nun den „Arbeitskreis Handbuch Eiderstedter Haubarge“ eingerichtet, um in Zusammenarbeit mit dem Heimatbund Landschaft Eiderstedt ein Konzept für die Archivierung und für die Erforschung der Haubarge zu entwickeln und auf diesem Wege endlich einen fundierten Überblick über die Baukultur in Eiderstedt zu gewinnen, beginnend im ausgehenden 16. Jahrhundert, also dem Beginn der Neuzeit.

Ein besonderes Interesse besteht an der Erforschung der Bauernhäuser, die durch die Haubarge abgelöst wurden. Es handelte sich um Langhäuser mit Innengerüst, ähnlich den Hallenhäusern auf der Geest und den utlandfriesischen Häusern, die eine wandnahe Ständerkonstruktion besaßen. Die Schicht dieser Häuser ist nur noch sehr dünn überliefert. Umso dringender ist es, sich darum zu kümmern.

Dazu war eine Reihe von Fachleuten eingeladen, die zur historischen Hausform „Gulfhaus“ in den Niederlanden und in Ostfriesland Forschungsarbeit geleistet hatten sowie zur Verbreitung der bäuerlichen Großhäuser, wie sie in der Hausforschung gerne genannt wurden, entlang der Nordseeküste bis an die heutige deutsch-dänische Grenze. Es war die zweite Tagung zu diesem Thema.

 

 

Die Haubarg-Tagung – ein Bericht von Dr. Volker Gläntzer, Volkskundler, Hausforscher und Kenner des Gulfhauses

ma312abb08Spannende Eindrücke von der Hauslandschaft der Halbinsel Eiderstedt vermittelte eine Arbeitstagung des Arbeitskreises „Handbuch Eiderstedter Haubarge“ am 15. und 16. September, zu der Gerd Kühnast und Hans-Georg Hostrup von der IG Baupflege Nordfriesland & Dithmarschen sowie Hauke Koopmann vom Heimatbund Landschaft Eiderstedt eingeladen hatten.

Haus- und Geschichtsforscher aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen und den Niederlanden diskutierten im Roten Haubarg im Witzworter Adolfskoog Stand und Aufgaben der Haubarg-Forschung.

Die eindrucksvollen Haubarge faszinierten die Forscher schon lange. Seit vielen Jahrzehnten wurden und werden zahllose historische Informationen, Photos und Zeichnungen zusammengetragen – vom Landesamt für Denkmalpflege (Bericht Deert Lafrenz), vor allem aber von Privaten (Berichte von Peter Lückerath, Köln, Johannes Matthießen, St. Peter-Ording und Dirk Meier, Wesselburen/Dithmarschen).

ma312abb09Ein Vorbild, das alles zusammenzuführen und zu erschließen, könnte das Bauernhausarchiv in Syke bei Bremen sein (Bericht Heinz Riepshoff ).

Von besonderem dokumentarischem Wert aber ist das Material, das Rudolf Muuß systematisch sammelte und verarbeitete, aber nicht mehr zum Druck brachte, nachdem das zum Konkurrenzunternehmen gewordene Buch des Architekten und Hausforschers Friedrich Saeftel mit dem Titel „Haubarg und Barghus“ 1930 erschienen war.

Nun soll dieses einzigartige Material publiziert werden und in einem Akt ausgleichender Gerechtigkeit auch einen anderen Blick auf die damalige Hausforschung ermöglichen, als ihn der Techniker Saeftel vertrat (Bericht Gerd Kühnast und Johannes Matthießen).

Haubarge zeigen bis heute, wie die kleine Halbinsel Eiderstedt mit der Weltgeschichte verknüpft war. Otto Knottnerus, Wirtschafts- und Sozialhistoriker aus den Niederlanden, spannte einen weiten Bogen von den basilikalen Bauten des Mittelalters und den riesigen Zisterzienserscheunen und Markthallen vor allem in Nordwestfrankreich und Flandern über die davon abgeleiteten Gutsscheunen und Gulfhausformen in den Niederlanden bis zu den von dort nach Eiderstedt exportierten und hier zum Haubarg gewordenen Hausformen. Aus der entscheidenden Phase dieser Entwicklung – der Wiederaufnahme der mittelalterlichen riesigen Bauformen bei kleinen Gütern und großen Bauern im 15. und frühen 16. Jahrhundert – zeigte Erhard Preßler mehrere Beispiele aus Nordfrankreich und den Niederlanden.

Was man, vor diesem großformatigen Hintergrund, durch die Kombination von penibler Bauforschung und Auswertung aussagekräftiger Archivalien an Zusammenhängen zwischen der Geschichte von Hausformen, Wirtschaftsformen, sozialen und politischen Strukturen alles erkennen kann, verdeutlichte Wolfgang Rüther anhand der Ergebnisse seiner Gulfhausuntersuchungen in der ostfriesischen Krummhörn. Viel abstraktes Wissen! Aber für die konkrete Anschauung sorgte schon der Tagungsort, der Rote Haubarg, dessen komplizierte und in manchem noch rätselhafte Geschichte Ellen Bauer erläuterte.

ma312abb10Am zweiten Tag lernten wir, von dem Eiderstedter Haubargkenner Johannes Matthießen geführt, noch fünf weitere Haubarge kennen, einer interessanter als der andere, und – den freundlichen und großzügigen Eigentümern sei Dank! – fast bis in den letzten Winkel zu besichtigen. Über ganz Eiderstedt verteilt und mit Beispielen von 1609d bis 1870i praktisch die gesamte Zeit des aktiven Haubargbaus umfassend, war das ein echter Crash-Kurs in Haubargforschung.

Es gab also genügend theoretische und praktische Anregungen, um über weitere Schritte der Haubargforschung zu diskutieren. Mit den Initiatoren vor Ort hoffen wir, dass zunächst die Publikation des Werkes von Muuß gelingt. Unabdingbar schien allen eine systematische bauhistorisch-hauskundliche Inventarisierung des Bestandes mit möglichst vielen dendrochronologischen Untersuchungen, um die verschiedenen Bauvarianten zeitlich richtig einordnen und mit den so zahlreich gesammelten anderen Informationen erhellend verknüpfen zu können.

Wir sind gespannt, wie es weitergeht, und freuen uns schon auf die nächste Arbeitstagung. Dass diese zweite – eine vorbereitende erste hatte bereits im Jahr zuvor stattgefunden – so ertragreich war, lag nicht zuletzt auch an der ausgesprochen angenehmen und anregenden Atmosphäre und dass wir auch kulinarisch so verwöhnt wurden; der Ausklang bei einem Pfannkuchenessen im Schweizerhaus im Gar- ten des Hochdorfer Haubargs (wohl das bedeutendste bäuerliche Gartendenkmal in Schleswig-Holstein) war also eine passende Pointe. Allen Organisatoren ein herzliches Dankeschön!

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