Oeconomisch-practische Anweisung zur Einfriedigung von Ländereien

Gerd Kühnast, IGB

Landschaftsentwicklung in Schleswig-Holstein

Die Flurbereinigung in den vergangenen Jahrzehnten, die ihren Ausgang an der dänischen Grenze in den frühen 1950er Jahren nahm, hat nahezu flächendeckend eine Veränderung, vor allem der Geestlandschaft, gebracht. Die landwirtschaftlichen Flächen wurden durch Zusammenlegung kleiner Parzellen maschinengerecht neu geschnitten. Ein Netz von Wirtschafiswegen durchzieht die Landschaft. Bauernhöfe wurden aus den engen Dorflagen in arrondierte eigene Ländereien ausgesiedelt. Und Resthöfe in den Dörfern erfuhren eine Umnutzung durch neue Eigentümer. Wer sich an die weiten, schlechten und zeitaufwendigen Wege zu den Streuländereien erinnert, die einzelne Bauern vor der Flurbereinigung zurückzulegen hatten, erkennt rasch den Nutzen dieser Agrarreform. Daß sie ökologisch Einschnitte bewirkte, ist ebenfalls unbestritten, ging doch eine intensive und effektive Entwässerung durch verbesserte Vorflureinrichtungen mit den übrigen Veränderungen einher.

Von einer weit einschneidenderen Agrarreform, die die Landschaft viel radikaler veränderte und ein ganz neues Bild hinterließ, soll hier die Rede sein: Die Aufhebung der Feldgemeinschaften und des Flurzwanges als Folge eines Erlasses von 1766. Sie war Folge von Überlegungen zur Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktion, wie sie seit dem Aufkommen des Merkantilismus von den Regierenden in ganz Europa allenthalben angestellt wurden. Bessere Erträge bedeuteten bessere Steuerquoten. Appelle an die Bauern konnten allein nichts bewirken, weil die Rahmenbedingungen (wie man heute sagen würde) für höhere Erträge nicht gegeben waren. Sie waren durch den Zwang zu gemeinsamer Bewirtschaftung der Landflächen absolut fortschrittshemmend.

Die Verkoppelung stieß trotz erkennbarer Vorzüge in vielen Dörfern auf erheblichen Widerstand, weshalb sie sich bis weit in das vorige Jahrhundert hineinzog. Schon damals hatte man den Gedanken der Aussiedlung arrondierter Betriebe in die Feldmark. Aber dieser ließ sich nur hier und da verwirklichen. Zu kompliziert war allein die Landaufteilung, und die Auseinandersetzung um gerechtes Vorgehen dabei ließ die Auflockerung der Dörfer durch Aussiedlung in den Hintergrund treten. Einzelhöfe oder Hofgruppen, sogenannte Ausbaue, die im Rahmen der Reformen geschahen, gibt es dennoch in manchen Gemeinden.

ln Dorfchroniken der schleswig-holsteirıischen Gemeinden ist der "Verkoppelung" – so wurde die Aufhebung der Feldgemeinschaften und des Flurzwanges, also der gemeinsamen Bewirtschaftung, der Äcker, Wiesen und Weiden, genannt – meist breiter Raum gewidmet. Das ist verständlich, denn wenn man der Geschichte dieser groß angelegten Agrarreform nachspürt, wird deutlich daß sie, mit Versuchen im kleinen Rahmen im 17. Jahrhundert beginnend, erst nach einschlägigen Gesetzen der Regierung in Kopenhagen ab 1766 über mehrere Jahrzehnte sich hinziehend, das Gesicht der Landschaft einer radikalen Änderungen unterzog. Über dieses gewaltige umwälzende Reformwerk ist viel geforscht und geschrieben worden. Wenig beachtet ist dabei ein außerordentlich erhellendes Fachbuch geblieben, das im Jahre 1767, also ein Jahr nach dem ersten königlichen Erlaß, erschien, um die praktische Umsetzung des königlichen Willens zu unterstützen.

Der Autor Nicolaus Oest, Mitglied der königlich Dänischen Ackeracademie, die um die Mitte des 18. Jahrhunderts von dem Propst zu Glücksburg R E. Lüders gegründet worden war, hat das Werk selbstverständlich seinem Auftraggeber, "dem Allerdurchlauchtigsten König und Herrn Christian dem Siebenten, Erbkönige zu Dänemark, Norwegen, der Wenden und Goten, Herzogen zu Schleswig, Holstein u, Stormarn und der Dithmarschen, Grafen zu Oldenburg und Delmenhorst etc. etc." gewidmet. Es trägt den Titel: "Oeconomisch-practische Anweisung zur Einfriedigung der Ländereien nebst einem Anhang von der Art und Weise, wie die Feldsteine können gesprenget und gespalten werden, auch nöthigen Kupfern mir getheiler von Nicolaus Oest, der Königl. Dänischen Ackerakademie Mitgliede, Flensburg, verlegt von Johann Christoph Korte 1767."

Vor dieser umfangreichen Agrarreform bestand eine vielgestaltige Acker-, Weide- und Wiesenflur, die von Krattwäldern und Gebüschen durchsetzt war. Die Weideflächen, das waren Heiden, Gehölze und Ödland, wurden gemeinschaftlich beweidet. Die Weideberechtigten verfügten über das Recht, nach Anzahl der Weidetiere (Rinder, Schafe) festgelegter Weiderechte. Die der Heugewinnung dienenden Wiesen wurden z.T. in jährlichem Turnus an die Teilhaber verlost und so von den Bauern im Wechsel genutzt. Ähnlich verhielt es sich mit dem Ackerland, das entsprechend der Güte (Bonität) so aufgeteilt war, daß jeder Beteiligte Bauer von jeder Güteklasse Land zur Beackerung hatte, das aber oft weit auseinander
lag und durch Teilung und Zahl der an der Feldgemeinschaft Beteiligten unwirtschaftliche Formen haben konnte. Wegen der unterschiedlichen Bodengüte gab es meist verschiedene rechteckige Ackerflächen, sogenannte Gewanne. Jeder Feldinteressent erhielt von jedem Gewann seinen Anteil. Die Gewanne wurden in Ackerstreifen geteilt, wobei ihre Länge der großen Gewannseite entsprach. In der Gemeinde Breklum gab es vor der Verkoppelung 1800-1804 beispielsweise Äcker, die 1-2 Ruten (4,5-9 m) breit und 20-120 Ruten (90-540 m) lang waren.

Nach der Ernte wurden die Ackerflächen wie auch das Heuland zur Nachweide wieder gemeinschaftlich genutzt. Das hatte zur Folge, daß jeweils zum gleichen Zeitpunkt ausgesät bzw. geerntet werden mußte. Die Grasmahd zur Heugewinnung und die Heubergung bedurften immer der Absprache der Interessenten. Der Langsamste bestimmte das Tempo. Wer etwas Neues ausprobieren wollte, scheiterte in der Regel an der Gemeinschaft. So war es bei der unterschiedlichen Betrachtung innerhalb der Feldgemeinschaft so gut wie unmöglich, Neuerungen durchzusetzen. Das hatte zur Folge, daß schon lange vor der königlichen Verordnung durch fortschrittliche Bauern Eigenflächen, sogenannte Lükken, gebildet worden waren, die teilweise schon im 17. Jahrhundert mit Wallhecken, Knicks, teilweise mit Steinwällen eingefriedigt worden waren und die bei der Verkoppelung nicht aufgeteilt wurden. Flurnamen erinnern noch heute daran.

Um die Reform zügig in Gang zu setzen, lag also bereits ein Jahr nach dem königlichen Erlaß die praktische Anleitung vor. „So bald die Allerhöchste königliche Verordnung von der Einkoppelung der Ländereien und Aufhebung der Feldgemeinschaft in dem Herzogthum Schleswig sub dato Christiansburg den 10. Febr. 1766 publicieret war, welche ein jeder verständiger Landmann, als eine höchstwichtige Wohlthat zu verehren und anzunehmen hat; so glaubte ich denjenigen unter meinen Landleuten, welche eine Begierde haben, die huldreichen Absichten ihres Landesvarers zu erfüllen, aber noch nicht recht wissen, wie sie es angreiffen sollen, einen Dienst zu erweisen, wenn ich meine seit vielen Jahren hiervon gesammleten Erfahrungen mittelst einer praktischen Anweisung zur Einfriedigung der Ländereien mittheilete." schreibt Oest in einem Vorwort, in dem die „Allerhöchste Vorsorge der Dänischen Monarchen" gelobt und die „getreueste Ehrfurcht vom Ew. Königlichen Majestät allerunthertänigstem Knecht Nicolaus Oest zu Ew. Majestät Füssen niedergelegt" wird.

Sowohl die Beschreibung als auch die Kupferstiche sind verständlich und einleuchtend. Sie lassen ein Bild der aufwendigen Arbeit aufleben, das die Landleute in manchen Dörfern viele Jahre lang in Arbeit gehalten hat.


In dem folgenden Vorbericht wird Oest, ganz Kind seiner Zeit, der Aufklärung, dann praktisch und beginnt: “Daß es einem Landwirth nützlich und nöthig sey, sowohl seine Saatäcker, als Weidefluren in freier und ungebundenen Behandlung, und folglich von fremden Gründen abgeschlossen zu haben, solches fänget itzo an, bei allen Ackerbauverständigen eine ausgemachte Wahrheit zu werden. Ist der geneigte Leser auch dieser Meinung, so wird derselbe ohne mein Erinnern einsehen, daß zu einer solchen Veränderung zween Schritte erfordert werden: nemlich erstlich die Aufhebung der Feldgemeinschafi oder Vertheilung der gemeinschaftlichen Dorffelder in Privatstücke, und zweitens die Einfriedigung der letztern."

Nicolaus Oest macht sich auch Gedanken über die Aussiedlung von Vollhufen in eine arrondierte Fläche und bildet ein Schema dazu ab. Aber er äußert zugleich Skepsis, ob sie wohl durchführbar sei. Das Hauptwerk umfaßt neun Capitel mit folgenden Überschriften. „Von der Gränzlinie; Von dem Gehäge; Von dem Eingraben; Vom Pflanzen; Von Steinvorsetzungen; Von Mauern aus Feldsteinen; Von der Wartung lebendiger Zäune; von Hecken sonder Wall und Graben; von einigen Nebenstücken der Einfriedigung" und schließlich ein Anhang: "Der Anhang lehret die Art und Weise, wie man Feldsteine sprengen und spalten könne."

Sowohl die Beschreibung als auch die Kupferstiche sind verständlich und einleuchtend. Sie lassen ein Bild der aufwendigen Arbeit aufleben, das die Landleute in manchen Dörfern viele Jahre lang in Arbeit gehalten hat. Dort, wo man sich einig war und es keine allzu großen Auseinandersetzungen um die Bodengüte, um Grenzen, um die Einbeziehung bereits in Privathand befindlicher Stücke etc. gab, ging die Arbeit freilich rascher vonstatten. Die königliche Regierung zu Kopenhagen hatte 1768 eine "Landkommission in Gottorf eingerichtet, ein Fachgremium, das die Verkoppelung in den Gemeinden beaufsichtigen und begleiten sollte. ln einer Instruktion dazu heißt es: „Es soll die von Uns verordnete Landkommission (...) die Verbesserung des Ackerbaues und die Aufhelfung und Erleichterung der Umstände des Bauernstandes (...) als den wahren Gegenstand ihrer Beschäftigungen und Bemühungen betrachten."

Die Landkommission hat auch „darauf Bedacht zu nehmen die einem jeden Hof beigelegten Ländereien an Acker und Wiesenland in gewisse große Einfriedigungskoppeln und besonders an Orten, wo es runlich ist, in besondere kleine Schläge eingetheilte und mittels eines gezogenen Grabens und auf den Wällen gesetzten lebendigen Hecken eingefriediget werden, damit die Untertanen auf solche Art und Weise von der Kultur ihrer Ländereien den wahren und größten Nutzen zu ziehen im Stande sein mögen."

Nicolaus Oest liefert also die praktische Anleitung. Aber er bemüht sich, neben dem technischen Ablauf auf die Konfliktmöglichkeiren einzugehen und seine Leser in die Lage zu versetzen, jedem möglichen „Wenn und Aber" mit Argumenten zu begegnen. Seine Ratschläge zur Konfliktvermeidung zeugen von großer Menschenkenntnis und umfangreicher Erfahrung im Umgang mit den Bauern. Er geht daher ausführlich auf die sensible Frage der Grenzziehung ein, die auch heute noch Ursache für Nachbarschaftsstreit sein kann. Daneben schwingt ausgeprägtes ästhetisches Empfinden mit, wenn er beispielsweise eine Stützmaueraus Feldsteinen in Flensburg beschreibt. Bei alledem weist er sich als großer Praktiker aus, z.B. wenn er über die Auswahl der Gehölze zur Knickpflanzung oder über die Art des Pflanzens schreibt.

"Wenn die solchergestalt gepflanzte Stämme wachsen, so wird daraus ein lebendiger Zaun, welcher in Deutschland gemeiniglich Hecke, im Holsteinischen ein Knick, hier im Schleswigschen ein Paatwerk genennet wird. Alte Leute wissen nachzurechnen, daß die obbeschriebene Art einzufriedigen hier in Angeln schon seit hunderet Jahren gebräuchlich gewesen."( d.h. ab Mitte des 17. Jh.). Er schöpft vor allem bei der Beschreibung der Bepflanzung und der Auswahl der Pflanzen aus den Erfahrungen der wegweisendenArbeit der Lüders'schen Ackeracademie in Glücksburg und verweist auf früher erschienene eigene Veröffentlichungen über den „Ackerumsatz" in den Provinzialberichten, die sich schon 1751 mit der Auflösung der Feldgemeinschaft und ihrer praktischen Durchführung befaßt.


Die Kupferstiche geben umfassend Auskunft über die praktischen Arbeiten. Sie sind mit ausführlichen Erläuterungen versehen (in Klammern Erläuterungen des Verf.):

"Das Kupfer am Titel 
stellet die Arbeiten vor, die beim Einfriedigen der Ländereien vorfallen, und zwar:
1. Ein paar Leute, die ein Stück Feldes eingraben (einen Wall aufsetzen)
2. Die Wasser-Grube oder Wasser-Hälter (Tränkkuhle)
3. Ein Feldstein wird mit Pulver gesprenget
4. Einer behauet eine neugepflanzte Hecke
5. Zwene sind im Begrifi auf einem Erdwall eine Hekke zu pflanzen.
6. Andere Zwene raden (roden, graben) das dazu erforderliche Buschwerk aus (man holte sich Pflanzen aus der Umgebung, aus Wäldern und Feldgehölzen)
7. Einer ist mit dem Stein-Spalten beschäftiget.

Drei weitere Stiche beschäftigen sich mit Einzelheiten der Arbeiten und mit der Beschreibung des Werkzeugs zum Steinespalten.

„Das Kupfer No. 1
Figur 1. stellet im Grundriss vor, die alte hier in Angeln gebräuchliche Art, wie zwene Hägsleute, die eine Grenzlinie unter sich getheilet haben, mit ihrer Einfriedigung in der Mitte der Gränzlinie Aa zusammen stossen. Bb Bb ist der Erdstrich von dem Acker, der unberührt bleibt und dem Feld-Nachbar zu seinem Ochsengang angelegt wird. CcCc ist der Graben, mit seinen beiden Wänden oder Böschungen. (Der Ochsengang wurde als 1-1,5 Fuß (30-45 cm) breiter Streifen dem Nachbarn, der nicht einfriedigen wollte, abgetreten. damit er mit dem Gespann seine Fläche bis an die Grenze pflügen konnte. Wo beide Nachbarn gemeinsam eine Wallhecke errichteten entfiel diese Regelung.)

Fig. 2 stellet eine neue und bessere Gehägs-Verbindung vor und ist aus dem vorigen begreiflich.

Fig. 3 zeiget Wall und Graben im Profil. NB. Zwischen dem untersten und zweiten Rasen (Rasensode) ist ein Setz-Reiser (Steckling) eingelegt in a.

Fig. 4 Enthält einen Wall und einen Graben im Aufriß. In c gehet eine Wasser-Rinne durch den Wall (dazu wurden u.a. die Steinbrocken verwendet. die beim Sprengen anfielen)

Fig. 5. stellet eine gepflanzte Wallhecke, die auch auf der innern Seite mit Rasen und. kleinem Graben versehen ist, im Profil vor.

Das KupferNo. 2 
stellet nach unten gezeichneten Maßstab die Einfahrt eines eingefriedigten Stücke Landes vor, nemlich
a den Thorweg, das sogenannte Heck
b einen Stiegel, welcher mit dem Vorder-Heckpfahl 
c verbunden ist
d ist ein Theil der Einfriedigung, die man eine Vorsetzung nennet und aus großen Feldsteinen bestehet, hinter welchem Stauden oder Büsche gepflanzet sind
f an der andern Seite des Hecks bei dem Hinter-Heckpfahl e bestehet die Einfriedigung aus einem Wall und Graben. Oben sind nach einem andern beigesetzten Maßstab einige Stücke, die zur Schliessung des Hecks gehören, grösser vorgestellet, nemlich
g der Hacken von Holz, welcher in dem Vorder-Heckpfahl hineingeschlagen, oder an der Seite befestiget wird.
h der Fall-Riegel, woran
i ein Hebstock befindlich
k. l. m. stellen diese 3 Stücke nach einer andern Einrichtung vor
n ist eine hölzerne Klammer, die an einem Heck befestiget wird, daß sie den Fallriegel, welcher darin beweget wird, in Ordnung halte.

Das Kupfer No. 3
zum Anhang stellet die Instrumente vor, die beim Spalten und Sprengen der Feldsteine gebrauchet werden und zwar
a einen Steinbickel
b einen Hammer
c einen Steinbohrer von Eisen
d einen Ladestock oder Stopfer
e ein paar eiserne Keilen
f etliche Stücklein Eisenblech“

Die hier vorgestellten Werkzeuge zum Spalten oder Sprengen von Steinen wurden so verwendet: Zum Sprengen wurde (wie heute immer noch) ein Loch in den Stein gebohrt, Schießpulver eingefüllt, das Loch mit Lehm fest verstopft und mittels einem Zündröhrchen gezündet. Die bei der Sprengung entstandenen Steinbrocken verwendete man zum „Vorsetzen" eines Walles oder um kleine Durchlässe auszusteifen. Wollte man einen Stein möglichst gerade zu Pfosten spalten, so wurden mit dem Steinbickel keilförmige Löcher im Abstand von ca. 5-7 cm in den Findling geschlagen, möglicht paßgenau für die Eisenkeile. Um Ungenauigkeiten auszugleichen. wurden die „Stücklein Eisenblech" eingelegt. So konnten die Keile, die mit dem Hammer in die Löcher getrieben wurden, die Energie voll weiterleiten und in seitlichen Druck umlenken. Man kann diese Keillöcher an den Spaltstücken, die auf der Geest u.a. als Heckpfosten verwendet wurden, gut ablesen. Das Foto zeigt einen Findling, der einmal in drei Teile gespalten werden sollte. Die Löcher zum Einsetzen der Keile sind fertig geworden, aber dann wurde das zeitaufwendige Werk nicht weitergeführt, ein schönes Beispiel für das Stadium vor dem eigentlichen Spalten. Der Stein liegt in Schobüll/Halebüll an einer Hauseinfahrt. Daß die Anleitung Oests zum Bau von Wallhecken immer noch aktuell ist, belegen zwei Beispiele. In den dreißiger Jahren hat Hans Hermann Petersen aus Hochviöl mit seinem Vater ein Stück Heideland urbar gemacht und es mit Wallhecken versehen, so wie Oest es beschrieben hat (H. H. Petersen mdl.). Um den Boden zum Pflanzen der Hecke vorzubereiten, habe man auf der Wallkrone zuerst Kartoffeln gepflanzt.

Die Anleitung zur Neuanlage von Knicks in dem Merkblatt Nr. 6 des Landesamtes für Naturschutz Schleswig-Holstein deckt sich ebenfalls mit der von Nicolaus Oest. Sie hat sich schließlich seit bald 230 Jahren bewährt. 

Wallhecken haben einen hohen ökologischen Wert. Sie geben bis zu 7.000 Tierarten Lebensraum. Ein einzelner Knick im östlichen Hügelland kann 1.600-1.800 Tierarten beherbergen, darunter bis zu 30 Vogelbrutpaare pro Kilometer. Ein Doppelknick, ein sogenannter Redder, bringt es gar auf bis zu 180 Brutpaaren pro Kilometer. Das sollte Grund genug sein, vermehrt Knicks neu anzulegen. Das geht auch auf manchem Wohngrundstück und im öffentlichen Dorfbereich. Wer sein Grundstück mit einem Knick einfriedigen möchte, findet in dem genannten Merkblatt alle nötigen Hinweise, sogar das Titel-Kupfer aus dem Buch von Nicolaus Oest.


Quellen
Nicolaus Oest: 
Oeconomisch-praktische Anweisung zur Einfriedigung der Ländereien, Flensburg 1767

Fr. Mager
Entwicklungsgeschichte der Kulturlandschaft des Herzogtums Schleswig in historischer Zeit. Band l. Breslau 1930 und Band ll, Kiel 1937

Wolfgang Prange
Die Anfänge der großen Agrarreformen in Schleswig-Holstein bis um 1771, Neumünster 1971

Harald Behrens
Die Aufhebung der Feldgemeinschaften, Neumünster 1964

Knicks inSchleswig-Holstein
Bedeutung, Pflege, Erhaltung Landesamt für Naturschutz, Kiel, Hansaring l, Merkblan Nr. 6: 8. Auflage 1990


IGB-Archiv, Der Maueranker 01/1995

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