Keller 

Text: Ellen Bauer

Es wäre eine lohnende Forschungsarbeit, die Keller in Stadt und Land in Nordfriesland zu erforschen, zu messen, zu dokumentieren. Es besteht eine interessante Einheitlichkeit im Befund. Die Keller sind es, die am weitesten baugeschichtlich zurückreichen – über das Format der Steine, die Vermauerung, die Stufen, die hinabführen, könnte eine Menge Material zu Vorgängerbauten und Bauzeiten herausgefunden werden.

Denn: ein Kellergewölbe aus Klostersteinen in Form eines Tonnengewölbes mit Sockel, ohne statische Belastungen des Geschosses darüber, hat keinen Grund einzustürzen. Alle Keller (bis auf die neueren der preussischen Zeit ab 1866 mit sog. Preussischen Kappendecken) sind kleine, tonnengewölbte, rechteckige Räume von ca. 2,5-3,0 m x 5,0 m aus starkem Mauerwerk, das tiefe, leicht vom nassen Fussboden erhöhte Nischen in den Wänden hat. Diese Keller bieten eine ideale Kühlung durch den vollen Ziegelstein. Sie haben immer ein Fenster, das außen eben über dem Erdreich liegt.

Das ist das Besondere der Region mit hohen Grundwasserstand: der Keller ist nur zur Hälfte seiner Höhe ins Erdreich eingetieft. Darüber befindet sich zwangsläufig ein Raum, der niedriger ist als die anderen, das ist die sogenannte Hochstube. Eine aus Ziegelsteinen in Rollschicht gemauerte, kurze Treppe führt in den mit Tonplatten oder Ziegeln ausgelegten Keller. Sie wird zumeist von der Küche ausgehend mit einer schrägen, oft doppelflügeligen Luke abgedeckt.

Sehr selten gibt es geräumigere Keller mit Mittelpfeiler und Kreuzgratgewölbe (Herrenhaus Hoyerswort). Bei mehr Bedarf werden auf den größeren Gehöften zwei tonnengewölbte Keller nebeneinander angeordnet (Vierseithof Lundenberg).

Der Keller war für die Vorratswirtschaft des bäuerlichen Haushaltes lebensnotwendig. In einer Pökelwanne aus Stein wurde das rohe Fleisch durch Einsalzen konserviert. Milch und Sahne, Käse, Weckgläser und Tontöpfe mit Sauerkraut hatten hier Platz.

Großer Tonnengewölbekeller
Beispiel: Vierseithof Lundenberg, 1804

Kleiner Keller
Beispiel: Kate Haupstr. 95, Niebüll

Vertiefend zu diesem Thema aus dem IG Baupflege Archiv

Maueranker 01/1990: Die Steine reden … Ermutigung zur privaten Bau-Archäologie
Maueranker 04/1987: Feuchtigkeit in alten Häusern



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