Historische Giebelformen in Nordfriesland

Text: Ellen Bauer

Typische Giebelformen – Sylter Giebel, Südtonderaner Giebel, Eiderstedter Giebel, Schweifgiebel (von links)
Typische Giebelformen – Sylter Giebel, Südtonderaner Giebel, Eiderstedter Giebel, Schweifgiebel (von links)

Alle fünf Haustypen entwickeln sich vom giebellosen Vollwalmhaus zu Bauernhäusern mit unterschiedlicher, doch verwandter Giebelausprägung.

Utlandfriesisches Haus
Das Utlandfriesische Haus hat einen Spitzgiebel über der Haupteingangstür. Am Ende der Bauzeit hat das utlandfriesische Haus einen Backengiebel und auf den Schmalseiten Krüppelwalmgiebel. Beide Arten Giebel ermöglichen den Einbau einer kleinen Luke zum Einbringen von Heu und Stroh. Diese Luken können technisch auch in das Reetdach des Vollwalms integriert werden, insofern war der Hauptgrund für den Bau des Giebels die Sicherung des Fluchtweges bei Feuer. Das in Reet gebundene Dach gefährdete im Falle eines Brandes durch das Abrutschen ganzer glühender Reetbunde die flüchtenden Bewohner.

Geesthardenhaus
Das Geesthardenhaus als späterer Haustyp übernimmt aus gleichen Gründen die Form des Backengiebels. Dieser ermöglicht bei den überaus großen Häusern des 19. / 20. Jh.s auch die Belichtung des Bodens oder den Ausbau eines Zimmers über der Haustür. Heu und Stroh werden über die Schmalseite oder die Tenne eingebracht. Häufig gibt es den Schweifgiebel des 18. und frühen 19. Jh.s mit Luke in eher kleineren Geesthardenhäusern. Diese Giebelform, man spricht auch vom Glockengiebel, ist gelegentlich ebenfalls bei Katen zu finden.

Kate
Die Kate hat in den meisten Fällen wie das Utlandfriesische Haus einen Spitz- oder Backengiebel. In Eiderstedt findet man ausschliesslich den Eiderstedter Giebel, der in der Spitze einen annähernd rechten Winkel bildet. Man kann hier eine Verwandtschaft zu der Form der typischen Haubarggiebel erkennen.  Anders ist die Tradition in Südtondern und auf den Inseln, dort bleibt der Giebel spitz oder verändert sich im Laufe der Zeit zum schmalen Backengiebel.

Haubarg
Der Haubarg hat seine eigene Entwicklungstypologie. Zunächst verfügte der seitlich erschlossene Haubarg über nur einen Giebel über der Haupteingangstür des Wohnteils, aus Feuerschutzgründen mit oberer Luke und ohne Giebel im Achterhus. Später ging die Entwicklung zu den zwei typischen Giebel über Stall und Lootür. Die Entwicklung zur Ausbildung von Giebeln war notwendig zur Erhöhung der Einfahrt. Die mit Erntegut beladenen Wagen wurden mit der Zeit größer und höher. Bei den älteren Typen wird das Tor in der Rückfront nur in der Mauerwerksfront zurückgesetzt, um die passende Höhe an der niedrigen Traufwand zu erreichen. Das Vörhus entwickelt sich vom Spitzgiebel (ca. 45 Grad) in Reet zum Backengiebel in Hartdeckung (preussische Brandverordnung von 1886).

Niederdeutsches Hallenhaus
Beim Niederdeutschen Hallenhaus entwickelt sich die im Heckschur des Vollwalms zurückliegende Grotdör der ältesten Hausform zu einem erhöhten Einfahrtstor in dem dann entstehenden Krüppelwalm der Zufahrtsseite des Gebäudes.

Vertiefend zu diesem Thema aus dem IG Baupflege Archiv

Maueranker 03/1996: Die Praxis der Bauwerkerhaltung
Maueranker 01/1990: Die Steine reden … Ermutigung zur privaten Bau-Archäologie

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