Ziegeleien

Text: Ellen Bauer

Gemälde 1847 Iversbüller Ziegelei bei Poppenbüll
Gemälde 1847 Iversbüller Ziegelei bei Poppenbüll

Steinbäckerei und Hand-Ziegelei

Ein Bericht „Hand-Ziegeleien in Witzwort“ (Bernhard Grage  – Heimatkalender zwischen „Eider und Wiedau“ 1961) gibt einen Einblick in das Ziegeleiwesen der jüngeren Geschichte und kann für eine Vielzahl von Ziegeleien stehen, die überall in Nordfriesland vorhanden waren. Die Voraussetzungen: ein reiches, möglichst reines Tonvorkommen (z.B. Husum „Kleikuhle“) und eine Schiffbarkeit zur Lieferung des Brennmaterials von Torf, Steinkohle oder auch Holz. 

Bei Büttel (nahe Witzwort in Eiderstedt) gab es ein besonders reiches Tonvorkommen, so dass hier um 1850 vier Ziegeleien auf einer Strecke von 2 km vorhanden waren. Über den Sielzug und die Eider wurden die Steine bis nach Rendsburg und Kiel geliefert. Zu dieser Zeit gab es die Erfindung des Ringofens noch nicht. Schon 1809 sind drei Ziegeleien nachgewiesen, es arbeiteten 24 Mann für 1,2 Millionen Ziegel im Jahr, 1811 werden auch Dachziegel und Töpfe hergestellt.

Die Anlage bei Büttel wird wie folgt beschrieben: die reetgedeckten, flachen Trockenscheunen waren seitlich offen und wurden im Winter mit Holzluken abgedeckt. Es gab eine Rundscheune mit einem Pottloch von ca. 8 m Durchmesser und einer Tiefe von 80 cm. Die Tegler arbeiteten im Sommer im Akkord von 5 Uhr morgens bis 8 Uhr abends für guten Lohn. Sie kamen aus Detmold-Lippe: ein Brennmeister, vier bis fünf Arbeiter, ein konfirmierter Junge (Einholen und Essen kochen).

Der „Stört“ (Ton) wurde gegraben, mit einer Lore ins Pottloch gefahren, dort aufbereitet durch einen Göpel mit Pferdekraft. Die Tonmasse wurde per Hand in Holzformen gestrichen (Handstrichziegel). Nach dem Vortrocknen in der Form wurden die Rohlinge in der Trockenscheune übereinander gelagert, danach im Feldbrandofen geschichtet und gebrannt: 80.000 Steine für eine Ofenfüllung, das entsprach in einem Sommer 10-12 Ofenfüllungen. Hier wird Steinkohle als Brennmaterial genannt, zumeist war es Torf. Eine Jahresproduktion einer Ziegelei waren ca. 1 Million Steine. Am 1.5.1866 tritt die neue preussische Brandverhütungsvorschrift in Kraft. Einige Ziegeleien müssen ihre Produktion aufgeben. 1868 setzt sich die Erfindung des Ringofens von Karl Eduard Hoffmann durch, die Fehlbrände werden dadurch weniger.

Bedeutungsvoll sind die Aufzeichnungen aus dem 17. Jh. zur Beschaffung der neuartigen Ziegel zum Bau der 1621 gegründeten Stadt Friedrichstadt. Mit einem herzöglichen Oktroyvertrag sichert sich der niederländische Kaufmann, Remonstrant und Mitbegründer van der Wedde den Bau von zwei Ziegeleien. Er erhält für kurze Zeit sogar das Monopol zur Belieferung der Baustellen. Eine auf der Herrenhallig nahe dem heutigen Treenehof mit Fährbetrieb und eine, deren Ort heute noch den Namen „Ziegelhof“ trägt. In den Dokumenten wird von „Steinbäckerei“ gesprochen. In Folge kam es zu Streitereien mit dem Herzog, dem Landbesitzer der Herrenhallig, auch mit den Eiderstedtern als Konkurrenten. Van der Wedde verließ 1635 die Stadt. Zuvor schon gab es wieder den preislich günstigeren Ziegeltransport aus den Niederlanden. Das Herstellen hier vor Friedrichstadt war nicht wirtschaftlich.


F
ür Eiderstedt gibt es eine Abbildung eines Gemäldes von 1847 der Iversbüller Ziegelei in der Chronik von Poppenbüll. Sehr schwach ist der hohe Steinstapel zum Feldbrand erkennbar, davor die reetgedeckten langen Trocknungsscheunen und des Besitzers stolzer Haubarg. 


Ein grosses Zentrum der Ziegelherstellung, nämlich 70 Ziegeleien, lag nördlich (heute Dänemark) und südlich (heute Deutschland) der Flensburger Förde. Das gesamte Herzogtum Schleswig wurde beliefert. Als Museum ist Cathrinesminde (DK) durch einen Förderverein gerettet worden (mehr im IG Baupflege Archiv). In den originalen Anlagen wird die Entwicklung der Brandtechnik präsentiert – vom Aufstapeln der handgestrichenen Steine für den Feldbrand der frühen Ziegeleien bis zum Brennen im erhaltenen Kohlebrand-Ringofen von 1873, sowie das Modell des automatisierten Tunnelofens.

Die letzte nordfriesische Ziegelei gehörte der Familie Thiessen und lag auf Nordstrand. Sie wurde 1898 gegründet und erst Mitte der 1960er Jahre aufgegeben. Ziegel wurden aus Marschenkleiboden erschaffen, dem Kalk (Bindemittel) Sand und Wasser nach Bedarf zugesetzt wurde. Der Boden wurde ca. 80 cm tief auf der Fenne abgetragen. Bei 1.000 Grad wurde im Ringofen mit hohem gemauertem Schornstein 3 bis 3,5 Millionen Steine pro Jahr gebrannt (mehr im IG Baupflege Archiv).


Die Qualität des Ziegels

Die bauphysikalischen Eigenschaften eines Ziegelsteines hängen ab von dem Scherben, seiner Rohdichte und Festigkeit. Steine mit höherer Druckfestigkeit sind schwerer. Hartgebrannte Steine mit einer Sinterschicht erfordern beim Brand höhere Temperaturen (1.400 Grad). Sie werden Klinker genannt und wurden auch für den Wegebau verwendet. Der Feldofenbrand verursachte sehr unterschiedliche Qualitäten in Oberfläche und Scherben. Die hohen Verluste vieler verbrannter Ziegel wurden durch die neue Ofentechnik geringer, bzw. gab es bei den Dampfziegeleien solche nicht mehr.

„Gut Brand“ – der Gruß der Ziegler oder „Die Krone des Ziegelns ist der Brand“ ist überliefert. Durch Schwund rissig gebrannte Ziegel wurden dennoch vermauert. Das Material war teuer und begehrt, jeder Ziegel wurde gebraucht. Schwach gebrannte Steine, sogenannte „Bleekers“ wurden in der Außenmauer nach innen vermauert. Sie halten der Nässe und dem Frost außen nicht stand und verwittern. 

„Stockenstieg“ aus Klinkern mit gesinterter Oberfläche – hartgebrannt, hochkant verlegt als Weg // Vorland von Westerhever

„Stockenstieg“ aus Klinkern mit gesinterter Oberfläche – hartgebrannt, hochkant verlegt als Weg. Vorland von Westerhever

Vertiefend zu diesem Thema aus dem IG Baupflege Archiv

Maueranker 03/2012: Über Ziegeleien und Ziegel in Nordfriesland
Maueranker 01/2000: Über das Ziegelmachen – Teglvaerksmuseum Cathrinesminde

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