Muschelkalk & Kalkbrennöfen

Text: Ellen Bauer

Die Ziegelbauweise erfordert einen guten haltbaren Mörtel. Im Mittelalter sind die Kalklager von Helgoland (ab 1463 bis 1711) und Segeberg für Schleswig-Holstein wichtige Lieferanten. Im 17. und 18. Jh. kam der Gotländische Kalk in Kisten per Schiff nach Nordfriesland (R.H.). Erst 1780 werden die Kalkvorkommen von Lägerdorf bei Itzehoe entdeckt.

In Nordfriesland wird seit dem 17. Jh. Muschelkalk gebrannt. Damit war eine weniger teure Versorgung gesichert, die Qualität hochwertig. Doch der Herzog hatte die Rechte auf das Vorland (mehr hierzu und zur Entstehung der Hauslandschaft). Bauern und Bürger mußten die herzögliche Genehmigung für die Muschelsammelei und das Muschelkalkbrennen einholen. Da der Bedarf groß war, wurden 1795 auch Muscheln per Schiff eingeführt.

Schematischer Querschnitt eines Kalkbrennofens, auch Ringofen genannt. Dieser Ofentyp stand an der Gardinger Süderstraße. Die Beschickung mil Muscheln geschah über eine Rampe durch eine Öffnung im oberen Drittel des Ofens, bevor sie vor dem Brennen zugemauert wurde.
Der Gardinger Kalkbrennofen an der Süderstraße von 1844 wurde 1909 abgerissen. Durch die Luke wurde der Ofen befüllt und danach zugemauert. Das Foto entstand kurz vor dem Abbruch.

Edgar Winter aus Garding beschreibt im Maueranker 01/2000: Kalkbrennereien in Eiderstedt, Husum und Friedrichstadt den bekannten Muschelkalkbrennofen, der von 1844 bis 1909 an der heutigen B 202 in Garding nahe der Fischerstraße stand (Abbildung siehe oben).

Um 1837 gab es in Husum am Binnenhafen mitten in der Stadt einen Muschelkalkbrennofen, der nach dem Abbruch 1898 einem Speichergebäude, dem heutigen „Kulturspeicher“, Platz machte. Es sind gemauerte Ringöfen aus Ziegelsteinen mit unterer, innerer Feuerstelle und Rampe zu einer oberen Luke. Schichtweise wurde er mit Muscheln und Torf beschickt, zugemauert und brannte tagelang. Löcher als Züge sorgten für Zuluft. Tagelang lag dicker, grauer Rauch über der Stadt.

Gebrannter und unter Zugabe von Wasser gelöschter Muschelkalk ergibt den Kalkbrei, der als Bindemittel unter Zusatz von Sanden zu Mörtel wird. Es entsteht ein hochhydraulischer Mörtel, der widerstandsfähig gegen Nässe ist und einen fortlaufenden Härteprozess erlebt (wie auch Kalkschlämme). Deshalb ist er besonders geeignet für Bauwerke, die – wie in der Marsch – nassen Böden und einem feuchten Klima ausgesetzt sind.

Das Mauerwerk der Bauernhäuser wurde aus Sparsamkeitsgründen in Lehm aufgemauert und nur mit Muschelkalkmörtel oder reinem Muschelkalk verfugt. Das Verwenden eines Muschelkalk- oder Kalkmörtels für das komplette Mauerwerk (ohne Lehm) ist dort zu finden, wo anspruchsvoller gebaut werden konnte. Solche Mauern stehen oft im Originalzustand noch nach Hunderten von Jahren (z.B. Kirchen, Bauten des Adels). Bei der Mauerwerkssanierung des Haubargs Trindamm von 1825 zeigt sich eine Kombination, indem die statisch wichtigen Ecken komplett in Muschelkalk, die anderen Bereiche jedoch in Lehm gemauert sind.

Die Verfugung in Muschelkalk vor dem Lehmmörtel hat ebenfalls eine lange Lebensdauer. Doch kommt es zu Setzungen oder Sackungen, ist das Mauerwerk gefährdet. Der Kalk bricht aus, der Lehm dahinter wird ausgewaschen. Durch Nässe und Frost beginnt dann auch die Zerstörung der Steine.

Vertiefend zu diesem Thema aus dem IG Baupflege Archiv

Maueranker 03/2017: Muschelkalk, Murplaat & Maueranker
Maueranker 01/2000: Kalkbrennereien in Eiderstedt, Husum und Friedrichstadt

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