Der Hochdorfer Garten

Jörgen Ringenberg

Ein besonderes Gartendenkmal in Eiderstedt

Eine der bedeutendsten, in ihrer Struktur gut erhaltenen Gartenanlagen Nordfrieslands ist der im 18. Jahrhundert angelegte und im 19. Jahrhundert erweiterte Garten am Haubarg Hochdorf in Tating (Abb 01).

Schon früh hat dieser bis heute in seinen Grundzügen und in einer Reihe wesentlicher Details erhaltene Park am gleichnamigen Hauburg. beide aus dem 18. Jahrhundert, die Aufmerksamkeit der Herrschenden und der gelegentlich in das abgelegene und unwegsame westliche Eiderstedt gelangten Chronisten geweckt. So findet er in den frühen Topographien etwa von Feddersen und von Oldekop Erwähnung. Trotzdem ist der Hochdorfer Garten, abgesehen von einigen Heímatkundlem und Denkmalbewußten, bis heute nur wenigen und hauptsächlich den Menschen der näheren Umgebung bekannt. Dabei können selbst Laien auf einen Blick die gut erhaltenen Strukturen eines Parks im französischen Stil aus dem 18. Jahrhundert erkennen, der im 19. Jahrhundert um einen landschaftlich gestalteten Teil nach englischem Vorbild erweitert worden ist.

Das Landesamt für Denkmalpflege in Kiel beauftragte 1994 das Hamburger Büro EGL (Entwicklung und Gestaltung von Landschaft GmbH) mit der Erarbeitung eines Gartenhistorischen Gutachtens, das 1994 vorgelegt wurde. Resümee des Gutachtens:

„Der Hochdorfer Garten gehört neben dem Husumer Schloßgarten und dem Nolde-Garten in Seebüll zu den wichtigsten historischen Gartenanlagen des Kreises Nordfriesland. Er ist in der „Erfassung der historischen Gärten und Parks in der Bundesrepublik Deutschland“ des Deutschen Heimatbundes e.V. erwåhnt. Als besonders interessant ist dabei der Umstand zu werten, daß dieser Park nicht zu einer adligen Besitzung gehörte, sondern entsprechend den historisch-politischen Gegebenheiten in Eiderstedt ein bäuerlich-bürgerliches Gestaltungsprodukt ist, wobei die typischen, oben genannten Stilepochen zeitverzögert zu den Verhältnissen in den übrigen Landesteilen realisiert wurden, wie der späte Bauzeitpunkt der Ruine (um 1900) beispielhaft zeigt. Der Denkmalwert von Hochdorf liegt auch in dem Umstand begründet, daß der Park im Landesvergleich zu den relativ gut erhaltenen Anlagen zählt. Wenn auch eine sachgerechte Pflege mangels finanzieller Mittel und fehlendem Entwicklungskonzept in der Vergangenheit manchmal unzureichend durchgeführt wurde, ist doch der Wille der Gemeinde Tating spürbar, dieses kulturelle Erbe auch für künftige Generationen zu erhalten. Durch seine öffentliche Zugänglichkeit ist der Park zudem ein Zeitzeugnis, das auch von breiteren Bevölkerungskreisen erlebt werden kann.“

Diese wesentliche, zusammenfaßte Bewertung am Schluß des Gutachtens wird ergänzt durch ein Entwicklungs- und Pflegekonzept mit einem Katalog von Maßnahmen zur Wiederherstellung der im Laufe der Zeit veränderten Bereiche und zur Sicherung und Pflege des Gehölzbestandes sowie zur Nutzung des Parks.

Dr. Jörgen Ringenberg ist Landschaftsarchitekt und Geschäftsführer des Planungsbüros EGL. Er erarbeitete das Gutachten für Hochdorf.

Gerd Kühnast


Betrachten wir zunächst das Gutachten in seinen Einzelschritten.


Entstehung des Parks und geschichtliche Entwicklung

Die Geschichte des Parks ist von Hansen (1950) und Johannsen (1971) ausführlich beschrieben. Sie soll hier nur kurz skizziert werden.

Der Name Hochdorf weist auf die Lage des Haubargs auf einem Sandrücken, leicht erhöht über der angrenzenden Marsch, hin. Der Haubarg, 1764 von Mathias Eberhard Lorenzen für seinen Neffen, Hermann Richardi und seine Nichte Margaretha, geb. Viethen, errichtet, ist nicht der erste Bau an diesem Ort. Es ist sicher, daß es einen Vorgängerbau gegeben hat, möglicherweise ebenfalls einen Haubarg. Der Barockgarten ist vermutlich mit dem heutigen Haubarg angelegt worden. Es sind aus der Zeit keine schriftlichen Quellen bekannt.


Hochdorf vor 1837

Rückschlüsse auf die historische Gestalt des Gartens in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts erlaubt allein der heute vorhandene Bestand. Der Garten bestand im wesentlichen aus der noch heute in seinen Grundzügen erhaltenen formalen Anlage. Sie wird aus zwölf Quartieren gebildet, die symmetrisch um eine in Ost-West-Richtung auf den Haubarg zu verlaufende Hauptachse angeordnet sind und von den zwischenliegenden Wegen unterteilt werden.

Die beiden dem Haubarg am nächsten liegenden Quartiere waren mit einem Lindenschirm bepflanzt (Lindenparterre), der weitgehend bis heute erhalten ist. Solche Lindenschirme waren nach EIGNER (1993) typische Elemente der Bauernhäuser an der Westküste Schleswig-Holsteins. Ihre Kronen wurden meist kastenförmig geschnitten. Sie dienten wohl ursprünglich dem Windschutz, erlangten aber im Laufe der Zeit eine eigene Bedeutung als gestalterisches Gartenelement. Aus diesem Grund wurde der Lindenschirm vermutlich auch am Haubarg Hochdorf gepflanzt, denn er steht hier im Windschatten des Hauses, vor der Ostfassade. Auch die heute noch in Resten vorhandenen drei Lindenlauben in der Mittelachse stammen wahrscheinlich aus der Entstehungszeit der formalen Anlage. Aus der mittleren wurden später die Heckenlinden entfernt und ein Rosenrondeel hineingepflanzt.

Der formale Garten wurde durch zwei Lindenalleen im Norden und im Süden, die die Zufahrt zum Haus bildeten, eingerahmt. Nördlich und südlich parallel zu den Lindenalleen verlaufen außerdem Gräben, die heute überwiegend verlandet sind.

Womit die barocken Quartiere in Hochdorf bewachsen waren, läßt sich nur noch vermuten. Eine Ausgestaltung als kunstvolle Parterres entsprechend der französischen Gartenmode mit Blumen und Kiesornamenten ist nicht auszuschließen. Es ist wahrscheinlich. daß die Lindenalleen zur Gartenaußenseite hin, also nördlich der Nordallee und südlich der Südallee, von Hecken begleitet wurden, da dies zumindest für die Südallee durch die Topographische Karte von 1880 (vgl. Kapitel 2.2) belegt ist. Außerdem finden sich noch heute auf dem vermuteten Heckenverlauf deutlich in Reihe stehende Buchen.


Hochdorf von 1837 bis 1945

Bis 1807 blieb der Hof im Eigentum der Familie Richardi. Dann wechselte er zweimal den Besitzer und wurde 1837 von Hans Richardsen aus St. Peter Wittendün erworben. Richardsen stammt aus Klixbüll und war als Pächter nach Eiderstedt gekommen. Bei der Eindeichung des Wilhelminenkooges 1821 soll er als Unternehmer zu Geld gekommen sein, so daß er den Hof Hochdorf kaufen konnte. Zu seiner Zeit umfaßte die Besitzung 200 Demat (ca.100 ha) Land. Hinzu kamen weitere 300 Demat von vier anderen Höfen aus Richardsens Besitz, so daß von Hochdorf aus ein Landbesitz von 250 ha bewirtschaftet wurde (Johannsen 1970).

1842 besuchte der dänische König Christian VIII. als Landesherr Eiderstedt. In Hochdorf fand ihm zu Ehren eine Empfang statt. „Nach der Tafel hielt der König Cercle und promenierte mit namhaften Männern der Eiderstedter Selbstverwaltung (der sog. Landschaft) in den Alleen des Gartens, sich dabei über Landesangelegenheiten mit ihnen unterhaltend." (HANSEN 1950). Auch sein Nachfolger, Friedrich Vlll., besuchte 1854 Hochdorf.

Über die Gartengestalt in der Mitte des 19. Jahrhunderts ist wenig bekannt. Lediglich FEDDERSEN schreibt 1853: „...hier, dem Flekken (Tating) sich anschließend, (liegt) Hochdorf mit seinem großen Garten, den Lindenalleen, die sich lange und gut erhalten haben" (S. 272).

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundens wurden in den Hochdorfer Garten vermehrt exotische Gehölze gepflanzt. Es war eine typische Erscheinung der Gründerzeit, in Parks und Gärten solche Gehölzsammlungen (Arboreten) anzulegen. HANSEN (1950) weiß außerdem von „zur gewollten Form geschnittenen Sträuchern und immergrünen Gewächsen“ zu berichten.

Nach dem Tode Hans Richardsens wurde der umfangreiche Besitz unter den Kindern aufgeteilt. Sein Sohn Jacob erhielt Hochdorf mit 75 ha Land und bewirtschaftete es bis zu seinem Tode 1905. Er heiratete 1874 Doris Bruchwitz. Die Ehe blieb kinderlos.

Die früheste Karte von Hochdorf ist die Flurkarte von 1873. Sie zeigt den Haubarg in seiner ursprünglichen Größe. Außerdem ist bereits das sogenannte Schweizer Haus zu sehen, das vermutlich kurz zuvor von Jacob Richardsen als Sommersitz seiner Familie in Holzbauweise mit Fachwerk errichtet worden war.

Die Karte verdeutlicht, daß der Garten damals nur aus der barocken Anlage und dem Hexenwald bestand. Die übrigen Flächen des heutigen Parks sind noch Ackerland. Bemerkenswert ist darüber hinaus, daß der Garten im Norden von einem Knick, im Süden aber von einer Hecke begrenzt wurde.

1886 ist der Park nach Süden erweitert worden. Es entstanden mehrere Obstpflanzungen und ein mehr landschaftlich gestalteter Gartenteil im Südosten, wie er bis heute erhalten ist. Die südliche Gartenerweiterung wurde mit einem umlaufenden Weg erschlossen, der dem für Landschaftsgärten typischen „belt walk" (Gürtelweg) entspricht. Ein solcher belt walk führt den Besucher um das Anwesen herum und präsentiert die Szenerie wie in einem Film mit aufeinanderfolgenden Bildern. Auch die Obstwiese im Norden des Parks ist vermutlich zu dieser Zeit angelegt worden. (EIGNER 1993) bezeichnet separate Apfelgärten als ein „einst maßgebendes Indiz für einen gewissen Reichtum".

Es entstanden ein zweiter Teich, ein sogenanntes Schweizer Haus (Abb 09) für die Sommermonate und eine künstliche Ruine (Abb 02) als Staffagebauten. Die Ruine wurde im Jahre 1900 im Süden des Parks auf einem eigens hierzu aufgeschütteten Hügel errichtet. „Den Entwurf zu dieser Ruine lieferte der Altfotograf Knittel aus Husum, ein Verwandter Richardsens. Dieser wiederum soll die Burgruine des Oybin, ein Bild von Caspar David Friedrich, als Vorlage genommen haben." (JOHANNSEN). „Bei einer Rheinreise kam ihm (Jacob Richardsen) die später in die Tat umgesetzte Idee zum Bau der Ruine" (OFPERMANN & LUCASSEN 1980).

Zwei andere Fotos machen deutlich, daß bereits zur Jahrhundertwende die Quartiere des formalen Gartens dicht mit Obst-, sonstigen Laub- und Nadelbäumen bestanden waren.

Der Hochdorfer Garten wurde, wie die oben erwähnten Empfange für den König zeigen, nicht nur privat genutzt. 1869 wurde hier beispielsweise das dritte Eiderstedter Sängerfest mit 1.400 Besuchern abgehalten (JOHANNSEN 1970). Auch andere öffentliche Veranstaltungen, wie etwa das Ringreiten, fanden schon zu Lebzeiten der Stifter im Park statt (JOHANNSEN mdl.).

Am 5.4.1905 starb Jacob Richardsen. Er hinterließ sein Testament zugunsten der Gemeinde Tating (siehe Kasten). 1905-1908 wurde Hochdorf an den Gärtner Runzler aus Flensburg verpachtet. Ab 1908 bis 1955 war Deert Hansen Pächter auf Hochdorf und damit auch für die Pflege des Gartens zuständig.

1921 wurde der Wirtschaftsteil des Haubargs verkleinert. Die West-Ost-Ausdehnung des Gebäudes verkürzte sich von ursprünglich 45 m auf die heutigen 29 m (JOHANNSEN 1970). Aufgrund der Aussagen von Zeitzeugen läßt sich folgendes zur Gestalt des Hochdorfer Gartens im 20. Jahrhundert feststellen: Fast alle Teile des Parks waren früher mit Obstbäumen, aber auch sonstigen Laub- und Nadelbäumen bestanden (auch der formale Mittelteil).

Angepflanzt waren u.a. Äpfel, Birnen und Pflaumen (inkl. Renekloden). Kirschbäume gab es nicht. Folgende Sorten kamen u.a. vor:
Äpfel
Prinzenapfel
Berner Rosenapfel
Gravensteiner
Northern Spy
Uelzener Kalvill
Belle Fleur
Roter Taubenapfel
Tönninger Herbsstreifling
Dithmarscher Paradiesapfel
Birnen
Erfurter Frühe
Herbstbergamotte
Pflaumen
Königin Viktoria
Ungarische Dattelzwetsche

Entlang der Mittelachse waren Blumenbeete angelegt (W HANSEN mdl.). Ein wichtiges Zeugnis der Gartengestalt von Hochdorf in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist das Luftbild aus den dreißiger Jahren (Abb 00). Hier wird deutlich, daß die Alleelinden sehr eng gepflanzt waren. Sie standen in etwa in dem Abstand, den die Linden des Schirms noch heute haben (ca. 4 m). Die Alleebäume waren nicht versetzt gepflanzt, sondern standen sich gegenüber. Die Allee reichte bis zur Ostseite des Lindenschirms. Dieser war nicht nur im Nord-Süd-Verlauf vierreihig (KEMPF mdl.), sondern auch vor der Ostfassade des Haubargs geschlossen.

Hochdorf nach 1945

Nach dem 2. Weltkrieg erfuhr der Park einige Änderungen. Im Osten des Barockteils wurde ein Ehrenmal für die Gefallenen beider Weltkriege errichtet. Die mittlere Obstwiese im Süden wurde als Anzuchtfläche für Gehölze umgewandelt, und ein Kleingarten entstand in einem Teil des Landschaftsgartens. Außerdem änderte sich das Bild durch neu gepflanzte oder spontan aufwachsende Gehölze.

Einschneidendster Eingriff aber war die Rodung der alten Lindenalleen in der Notzeit der Nachkriegsjahre. Zwar wurden wenige Jahre später die Linden neu gepflanzt, dabei jedoch weder die historischen Pflanzabstände beachtet, noch die gleiche Lindenart verwendet. Die Silberlinden, eine osteuropäische An, vertragen das Eiderstedter Meeresklima offenbar weitaus weniger, als die ursprünglichen Winterlinden (Tilia cordata).

Die von HANSEN (1950) angefertigte Karte (Abb 03) des Hochdorfer Gatens ist zwar in ihrer Maßstäblichkeit ungenau. Dennoch ist es der erste überlieferte Gartenplan der Anlage.

1954 wurde der Haubarg mit einem 6.000 qm großen Grundstück an den Zimmermann Christian Kempf verkauft, weil die Stiftung die Instandhaltung des inzwischen baufälligen Haubargs aus finanziellen Gründen nicht mehr übernehmen konnte. Die Grenze zwischen Haus und Garten bildet die Ostseite des Weges zwischen Haubarg und Lindenparterre. 1961 wurde die mittlere Obstwiese in eine Baumschulfläche für Douglasien, Küsten- und Nordmannstannen umgewandelt.

1962 und 1967 wurden Teile des Lindenparterres abgeholzt, weil sie die Ostfassade des Haubargs zu sehr beschatteten. Seitdem fehlt ihm die nördlichste und südlichste Reihe sowie die der Ostfassade des Haubargs nächstgelegene Baumreihe. Weitere acht Bäume fehlen an der Mittelachse. Sie wurden vermutlich der besseren Sicht auf die Hauptfassade des Hauses wegen geopfert.


Aktuelle Gartengestalt

Gartenräurne und Wegeführung

Der Hochdorfer Garten läßt sich in mehrere Gartenräume gliedern. Die wichtigsten sind: Der formale Barockgarten, der Landschaftsgarten, die Obstwiesen.

Der Garten hat zwei öffentliche Zugänge: von der Hauptstraße Tating-St. Peter-Ording im Norden und vom Düsternbrook im Osten. Der formale Garten besteht aus dem Lindenparterre und den durch die Alleen eingerahmten Quartieren mit den Lindenlauben. Der landschaftliche Teil des Hochdorfer Gartens, der den südöstlichen Bereich des Parks einnimmt, wird durch folgende Raumelemente geprägt: lm mittleren Bereich liegt der Teich, der nach Süden dicht von Gehölzen umgeben und daher von hier nicht mehr einzusehen ist. lm Süden befindet sich der Ruinenhügel und als Gegenstück ein inzwischen vollständig zugewachsener Hügel auf der gegenüberliegenden, nördlichen Wegseite.

Die Obstwiesen sind nur noch lückig mit Obstbäumen bestanden. Lediglich ein Bereich im Süden entspricht noch am meisten dem ursprünglichen Erscheinungsbild einer Obstwiese, obwohl die nachgepflanzten Obstbäume relativ dicht stehen und auch nicht als Hochstärnme kultiviert sind, wie es für eine solche Anlage typisch wäre.

Die Wegführung ist in Hochdorf; soweit aus den wenigen überlieferten Quellen ersichtlich ist, weitgehend erhalten geblieben. Lediglich die Quersteige von der mittleren und östliche Lindenlaube sowie eine in der Karte von MARQUARDT (1962) verzeichnete Wegeverbindung östlich des Teiches im landschaftlichen Garten sind heute nicht mehr vorhanden.


Ausstattungselemente

Das wichtigste Parkelement des Hochdorfer Gartens ist der Haubarg selbst, da die barocke Anlage symmetrisch zur Ausrichtung der Hauptfront des Gebäudes gestalterisch entwickelt wurde. Was der Haubarg für den barocken Teil, ist das 1991 restaurierte Schweizer Haus für den landschaftlichen Teil des Hochdorfer Gartens. Staffagebauten im Stile des Schweizer Hauses sind typisch für späte Landschaftsgärten. So findet sich beispielsweise auch im Bremer Bürgerpark ein Schweizer Haus. Das von Hochdorf ist jedoch das einzige Baudenkmal dieser Art und Funktion, das in Schleswig-Holstein bis heute erhalten blieb.

Von ebenso großer Bedeutung für die landschafiliche Erweiterung des Hochdorfer Gartens ist die Ruine. Der ursprünglich zweigeschossige Bau ist heute nur noch eingeschossig erhalten. Charakteristisches Ausstattungelement des Parks ist auch die Brücke über die Graft. Sie wurde schon mehrfach erneuert, wobei die Gestaltung des Geländers die gleiche, wie zur Jahrhundertwende ist. Die gewölbte Form besteht hingegen erst seit den 1920er Jahren. Die Parkmöblierung besteht aus unterschiedlichsten Gartenbänken, von denen der schlichteste Typ (zwei weiß gestrichene Holzbretter als Sitzfläche und Rückenlehne zwischen zwei Metallfüßen) noch aus der Jahrhundertwende stammt.

Schließlich sind noch die beiden Kanonen, die früher als Symbol der Verteidigungsbereitschaft am Westende der Nord- und Südallee standen, als Ausstattungselemente des Hochdorfer Parks aufzuführen. Sie stehen heute an der Ostfassade des Haubargs an beiden Seiten der Aufgangstreppe.


Gehölzbestand

Hochdorf zeichnet sich auch heute noch durch einen reichhaltigen Gehölzbestand aus. Er wurde im Rahmen des vorliegenden Gutachtens kartiert und hinsichtlich seiner Vitalität klassifiziert. Der Gehölzbestand ist ein wesentliches Gestaltungselement des Gartens und setzt sich aus unterschiedlichen Elementen zusammen.

Der wichtigste Bestand des Hochdorfer Gartens ist der noch aus der barocken Entstehungszeit der Anlage erhaltene Lindenschirm an der Hauptfassade des Haubargs. Von den ursprünglich 64 Linden (Tilia x europaea) sind noch 34 Bäume vorhanden. Sie stehen in einem Rechteckverband von 4,00 m in Nord-Süd-Richtung auf 4,50 m in West-Ost-Richtung.

Ebenso bedeutend für die Gartengestalt, aber leider nicht mehr in der ursprünglichen Form erhalten, sind die Bäume der Nord- und Südallee. Zahlreiche Alleebäume sind inzwischen vom Wind umgeworfen worden und mußten entfernt werden.


Entwicklungs- und Pflegekonzept, Entwicklungsziele

1. Barockgarten
Die Zielvorstellung für den formalen Teil des Hochdorfer Gartens ist, die Ablesbarkeit der barocken Grundstruktur und Raumsymmetrie zu sichern bzw. wieder herzustellen, ohne die späteren Umgestaltungen, insbesondere die Pflanzungen aus der Arboretum-Phase, völlig zu negieren. Die wichtigsten barocken Gestaltungselemente in Hochdorf sind die Nord- und Südallee. Für den Denkmalwert des Gartens sind diese Raumelemente unverzichtbar, weswegen hier unbedingt Maßnahmen zu ergreifen sind. Da die 1949 gepflanzten Silberlinden stark abgängig sind, ist die wichtigste barocke Struktur in Auflösung begriffen. Es wird deshalb vorgeschlagen, die beiden Alleereste zu fällen und beide Alleen neu zu pflanzen.

2. Landschaftsgarten
Das Entwicklungsziel für den landschaftlichen Teil des Hochdorfer Gartens ist der Schutz bzw. die Wiederherstellung einzelner typischer Gestaltungselemente (Wegeführung, Sichtbeziehungen, organische Ausformung der Wiesen- und Gehölzflächen, Anlage von Clumps, Staffagebauten), so daß durch deren Zusammenwirken wieder der typische Charakter eines Landschaftsgartens entstehen kann.

3. Obstwiesen
Die Obstwiesen sind ein wesentlicher Bestandteil des Hochdorfer Gartens. Leitbild ist hier ein Gehölzhain aus etwa gleichgroßen Obstbaum-Hochstämmen, die in regelmäßigen Abständen auf der Fläche gepflanzt sind. Der gartenhistorische Wert des Hochdorfer Parks ist nur durch eine kontinuierliche Pflege dauerhaft zu sichern. Es wäre daher notwendig, mindestens eine ausgebildete und gartenhistorisch motivierte Fachkraft einzustellen, die mit geeigneten Hilfskräften die dauerhafte Unterhaltung des Hochdorfer Gartens übernimmt und der ein festes jährliches Budget zur Umsetzung des vorliegenden Entwicklungs- und Pflegekonzeptes zur Verfügung steht.

Das Gutachten enthält einen ausführlich erläuterten Katalog notwendiger Pflegearbeiten für die einzelnen Gartenbestandteile. Das im vorliegenden Gutachten empfohlene Entwicklungskonzept für den Hochdorfer Garten sollte innerhalb der nächsten zehn Jahre verwirklicht sein. Für die Umsetzung der einzelnen Maßnahmen gibt es jedoch durchaus unterschiedliche Prioritäten, die nach Dringlichkeitsstufen stichpunktartig zusammengestellt sind:

Maßnahmen hoher Priorität
- Neupflanzung der Nord- und Südallee
- Ergänzung des Lindenparterres
- Entschlammung der Teiche
- Änderung des Nutzungskonzeptes für das Schweizerhaus
- Gehölzrodungen und -pflanzungen im Barockgarten
- Vermehrung der im Garten noch vorhandenen Obstsorten

Maßnahmen mittlerer Priorität
- Umgestaltung des Kleingartens
- Gehölzrodungen und -pflanzungen im Landschaftsgarten
- Neupflanzung der Obstwiesen
- Pflanzung der die Südallee begleitenden Hecke
- Neugestaltung und Instandsetzung der Einfriedung am Düsternbrook

Maßnahmen untergeordneter Priorität
- Restaurierung der Ruine
- Rückbau des Ehrenmals
- Rekonstruktion der barocken Wegeführung
- Rekonstruktion der mittleren Lindenlaube
- Anlage von Blumenrabatten am Mittelgang


Quellenverzeichnis
Entwicklung und Gestaltung von Landschaft (EGL) (1994)
Gartenhistorisches Gutachten für den Hochdorfer Garten. Erstellt im Auftrag des Landesamtes für Denkmalpflege Schleswig-Holstein. 69 S. Deutscher Heimatbund e.V. (1988): Efassung der historischen Gärten und Farks in der Bundesrepublik Deutschland.

EIGNER, A. (1993)
Schleswig-Holsteins alte Bauergärten. Husum 189 S.

FEDDERSEN. E (1853)
Beschreibung der Landschaft Eiderstedt. Altona.

HANSEN, D. (1950)
Die Stiftung Hochdorf bei Tating. Jahrbuch des Nordfriesischen Instituts 2: 164-172.

JOHANNSEN, E (1970)
Die Stiftung und der Hauberg Hochdorf in Tating. Sonderdruck des Heimatbundes Eiderstedt aus „Heimatkalender: Zwischen Eider und Wiedau“ 1970.

MARQUARD (1962?)
Gehölzkarte des Hochdorfer Gartens. Diplomarbeit TU Berlin

OPPERMANN, W & LUCASSEN, U. (1980)
Gruß und Kuß aus Eiderstedt: 100 alte Ansichten von anno dazumal. St. Peter-Ording.

Protokollbuch des Verwaltungsrates der Richardsen-Bruchwitz-Stiftung (1905-1994)

WOLF, G.
Haus und Hof deutscher Bauern – Schleswig-Holstein. Berlin 1940


Gartendenkmalpflege
Die Gartendenkmalpflege ist eine relativ junge Disziplin, die in Deutschland erst in den letzten beiden Jahrzehnten ein breiteres Echo gefunden hat. obwohl der Gegenstand, mit dem sie sich beschäftigt, die Gartenkunst, eine lange Tradition hat. Sie will als Teil des Denkmalschutzes historische Gärten, Parks und sonstige Freiräume schützen, erhalten, pflegen und sanieren, um sie als Ausdruck kultureller Leistungen vergangener Epochen für die Gegenwart und die Zukunft erlebbar zu machen. Es geht also darum, die bewußte Gestaltung von und mit Natur früherer Zeiten als Kulturgut dauerhaft zu bewahren. Damit ist nicht gemeint, daß ein bestimmter historischer oder gar historisierender Zustand hergestellt werden soll. Rekonstruktionen können lediglich dann sinnvoll sein, wenn es darum geht, bestimmte Gestaltungsmerkmale einer Zeit wieder ablesbar zu machen, ohne die der Denkmalwert der historischen Anlage nicht erhalten werden kann. In Frage kommen dafür auch nur belegte historische Zustände.

Ein gartenhistorisches Gutachten enthält im wesentlichen 3 Teile, die zugleich die Vorgehensweise beinhalten. Die Arbeitsschritte lassen sich grob so beschreiben: "Wie war es früher?" (historische Analyse), "Wie ist es heute?", (Bestandsaufnahme), "Wie soll es zukünftig sein?" (Entwicklungs- und Pflegekonzept). Das am Ende des Gutachtens (Parkpflegewerk) stehende Entwicklungskonzept ist alsHilfsmittel und langfristige Richtschnur zu sehen, nach dem alle Sanierungsaktivitäten und Pflegemaßnahmen zielgerichtet und fachlich fundiert dem Erhalt des Gartens dienen.


Die Richardsen-Bruchwitz-Stiftung
Jacob Richardsen hatte ein Jahr vor seinem Tod 1905 testamentarisch bestimmt, daß der Haubarg, der Park und 9 Hektar Land zu einer Stiftung erhoben werden sollten. Nach dem Willen der Stifter sollte vor allem "der Garten für alle Zeiten öffentlicher Dorfpark sein". Der Hof war bis 1954 verpachtet. Danach kaufte der Zimmermeister Christian Kempf den Haubarg mit 1 Demat Gartenland.

Die Stiftung wird von einem Verwaltungsrat geführt, dem der jeweilige Bürgermeister der Gemeinde Tating, der Pastor, ein Mitglied der Familie Bruchwitz und der Oberklassenlehrer der Tatinger Schule angehören. Schwierigkeiten bereiten die Unterhaltung und Bewirtschaftung, weil die Erträge aus dem Stiftungskapital, die Pacht für 9 ha Land, nicht ausreichen.

Seit einigen Jahren gibt es einen Förderverein Hochdorfer Garten, der sich um die Pflege und die Erhaltung des Parks bemüht. Der Park ist dem Vermächtnis entsprechend bis heute im Sinne des Stifters öffentlich zugänglich. Vorsitzender der Stiftung ist der zur Zeit amtierende Bürgermeister Dirk Jacobs.


Aus dem IGB-Archiv, Der Maueranker 01/1996

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