Die Geschichte des Hofes Trindamm

Hans Hinrichs (1863-1929)

Diese Chronik offenbart die über mehrere Generationen reichende Geschichte eines Bauernhofes. Die Geschichte des Haubargs Trindamm (Tetenbüll) wurde etwa um 1927 von Hans Hinrichs zusammengetragen. Hinrichs wurde auf Trindamm geboren, war Wegemeister im Staatsdienst in Niebüll und später in Schleswig tätig, wo er 1929 starb. (…) Gerd Kühnast

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Die Chronik

Der Name Trindamm ist friesischen Ursprungs. In Eiderstedt war die Landessprache bekanntlich ursprünglich friesisch. Diese Sprache wurde hier aber früh vom Niederdeutschen verdrängt. Dabei blieb das Friesische bis tief in das 18. Jahrhundert hinein in Gebrauch, wenn es auch mehr und mehr zurückging. Seitdem ist es als Umgangssprache ganz verschwunden, aber eine große Anzahl friesischer Wörter sind hier noch heutigen Tages lebendig.

„Trin“ bedeutet im Friesischen rund. Dieses „Trin" ist in Nordfriesland öfter als Orts- bzw. Flurname nachweisbar, so z. B. im Ortsnamen Trindermarsch auf der 1634 zerstörten Insel Strand, der später nach der Wiederbedeichuiig 1663 als Trendermarschkoog auf Nordstrand weiter bestand. In Osterhever gibt es ein Trinsbusch und zwei Fennen des Rathmannes Hans Hinrichs (IV), welche durch einen kleinen Sielzug eine rundliche Gestalt erhalten haben, sind in einem alten Erdbuch die Trinfennen. Dieser Trindamm zweigt eine Fennenbreite östlich vom Hofe am Osterkoogsdeich rechtwinklig nach Norden ab in den Adenbüller Koog hinein. Er endet am Sielzug, dem „Hundsteert“ mit der Trindammbrücke. Das „rund“ bezieht sich hier also nicht auf die Längenausdehnung, sondern auf die gewölbte Oberfläche (Querschnitt).

Der Damm stellt sicher eine uralte Anlage dar und existierte wahrscheinlich schon vor der Bedeichung des Adenbüller Kooges als Halligdamm zwecks Verbindung des Osterkooges mit dem dorten einstmals vorhandenen schiffbaren Priel, dem „Hundsteert". Der Adenbüller Koog wurde 1529 eingedeicht und umfasst 491 Hektar. Über die näheren Umstände der Bedeichung ist wenig bekannt (Abb. 2).

Die Mejerschen Karten in Danckwerths Chronik bringen vom Adenbüller Koog folgendes Bild aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts (s. Abb. 3). Die Form des Kooges stimmt freilich nicht mit der Wirklichkeit überein. Allerdings ist das Bild zu klein, als dass viele Einzelheiten darauf Platz finden könnten. Aber es gibt zumindest diese Kartenskizze. Mit Bestimmtheit geht daraus hervor, dass der Hof (Trindamm) damals schon vorhanden war. Der Trindamm ist nicht eingezeichnet. Es ist aber nicht daran zu zweifeln, dass er vorhanden war. Bemerkenswert erscheint es, dass Mejer den südlichen Teil des Kooges, in dem der Hof die einzige Siedlung darstellt als „Marken" bezeichnet. Das deutet darauf bin, dass dieser Teil nicht sogleich aufgeteilt, sondern als gemeinsame Feldmark längere Zeit hindurch in Gemeinbewirtschaftung verblieb. Die Grundlagen für eine solche Gemeinbewirtschaftung waren zu der Zeit in den alten Geschlechtsverbänden, welche sich wohl schon zu Burschaften konsolidiert hatten, durchaus vorhanden. Das Kirchspiel war damals wohl noch keine so festgefügte Einheit, dass von ihr aus die Initiation zur Bedeichung des Kooges ausgehen konnte. Diese lag vielmehr aller Wahrscheinlichkeit nach bei den Büren, die noch zu Anfang des 16. Jahrhunderts, wie sicher nachweisbar ist, ihre eigene Finanzwirtschaft hatten. Übrigens wird auch die Bedeichung des Adenbüllet Kooges eine lange Vorgeschichte gehabt haben, die gegen Ende des 13. Jahrhunderts mit seiner endgültigen Eindeichung ihren Abschluss fand. Derjenige Verband, dem der südliche Teil des Kooges zufiel, wird auf den Warftten des Osterkooges gesessen haben.

Als endlich die Aufteilung der Feldmark vorgenommen wurde (m. E. spätestens im Jahr 1530), war die Zahl der Anteilsberechtigten so groß geworden, dass die „Marken" in eine große Anzahl meist kleiner Parzellen zerfiel. Man darf annehmen, dass dies der Hauptgrund für das Ausbleiben einer Besiedlung gewesen ist. Der Trindamm wurde mit viel Geschick dazu benutzt, eine größere Anzahl von Kleineignern ihren Anteil und eine gesicherte Zuwegung dafür anzuweisen. Für beide Seiten des Dammes wurden kleine Parzellen zu zwei bis vier Demat ausgelegt.

Diese sind zwar in einer späteren Zeit zu größeren Fennen vereinigt, aber der ursprüngliche Zustand ist doch noch, hauptsächlich durch die sogenannten „Dwarsrünnel" (Quergrüppen) erkennbar. Die Feldmark wurde im Übrigen in parallel mit dem Trindamm verlaufenden Streifen gelegt. Einer der bevorzugtesten Partizipanten war derjenige, welchem das Grundstück für die Anlage des heutigen Trindamm-Hofes zufiel. Dieser Teil war der einzige zusammenzufügende größere Besitz, welcher zur Anlage einer besonderen Siedlung anreizen konnte und in der Folge auch dazu geführt hat. Das Areal liegt, wie gesagt, eine Fennenbreite westlich vom Trindamm. Es umfasst zwei Fennenbreiten, welche sich vom Osterkoogsdeich bis an den Hundsteert erstrecken.

Dies ist der sogenannte Gottrum, das ist das ursprüngliche unter allen Umständen zum Hofe gehörige Areal. Die Größe dieser Gortrums betrug 28 Demat, 5 Saat, 21 Ruthen. Er bestand aus der Hauswarft und 6 Fennen. Diese Hauswarft hatte damals nur die Breite der jetzigen Mistfenne; die Kuhfenne schloss in ihrer ganzen Breite an den Deich. Dasjenige Stück der heutigen Kuhfenne, welches sich östlich vom Gemüsegarten bis an den Trindamm erstreckt, gehörte damals und auch 1874 noch nicht zum Hof. Es hieß damals Grotmömsfenn (Großmutters Fenne). Die einzige Zufahrt zu dieser neuen Warft war der jetzige Boosacker. Die eigentliche Warftt war mit der Erde der fest ringsum laufenden breiten Graft hergestellt. Hier stand damals auch noch kein Haubarg, sondern im Jahre 1674 ein Langhaus. Aus dieser Darstellung geht hervor, dass der Hof Trindamm mit dem Trindamm nicht unmittelbar etwas zu tun hat. Und in der Tat ist die Übertragung dieses Namens auf den Hof auch erst neueren Datums und hängt eng mit der Geschichte der Familie Hinrichs zusammen, wie später gezeigt werden soll.

Dieser ursprüngliche Zustand des Hofes bestand noch im Jahre 1674. Schon damals gehörten ca. 60 Demat Land zum Hofe. Darunter war keine Fenne, die an den Trindamrn grenzte. Das hinzugekommene Land lag sehr verstreut.

Seit 1674 lassen sich die Besitzer mit Sicherheit nachweisen. Der erste war der Ratmann Iven Peter Boyens. Er gehörte einer alten, vornehmen Tetenbüller Familie an. Den folgenden Stammbaum dieses Geschlechts hat uns Peter Sax überliefert.

lven Peter Boyens war der Sohn des Rathmannes Peter Boyens in Tetenbüll. Sein Bruder Peter Tete Boyens wohnte auf der benachbarten Timonschen Stelle, wo jetzt die Meierei ist. Ein zweiter Bruder, Peter Boyens, war Lehnsmann in Garding, ein dritter, Jacob, hatte studiert und änderte als Literat damaliger Sitte gemäß seinen Namen. Er nannte sich Jacobus Boyßen. Iven Peter Boyens war dreimal verheiratet, von seinen Kindern wurden nur zwei oder drei groß. Er besaß in Tetenbüll nach dem Landregister von 1680 107 Demat, 1 Saat, 10 1/2 Ruthen, muss also außer dem Hof beim Trindamm mit damals reichlich 60 Demat noch einen weiteren, kleineren Landbesitz gehabt haben. Bei seinem Tod 1691 wurde die Trindammer Stelle ganz zersplittert. Die Hauswarft mit etwa 20 Demat kam an seinen Sohn aus 1. Ehe, Jacob Gerrit Boyens. Dieser verheiratete sich im Jahre 1694 mit Cathrina Schippers, der Tochter des Rathmannes Jacob Schipper vom nahen Staatshof. Er starb schon nach 2-jähriger Ehe im Jahre 1696, auch die beiden Kinder starben ganz jung. Die Witwe Cathrina verheiratete sich darauf mit Peter Tete Nommels. Dieser erhielt mit ihr den Trindammer Hof vergrößerte den Besitz durch Rückkauf des ganzen Gortrums und Neuerwerbungen auf 127 Demat, 3 Saat, 5 Ruthen. Er starb im Jahr 1713 an der Pest und hinterließ außer seiner Witwe, die ihn bis zum Jahre 1732 überlebte, noch 3 Töchter.

Zu Peter Tete Nommels Zeiten wurde auf dem Hof bedeutende Veränderungen vorgenommen. Der Besitz wird wahrscheinlich der gleiche gewesen sein, wie wir ihn später zu Jacob Martens Zeiten genau kennen. Das Land lag sämtlich im Adenbüller und im nahen Osterkoog und wurde vom Hofe aus bewirtschaftet. Sowohl das Gebäude wie auch die Hauswarft waren für diesen Betrieb zu klein.

Das alte friesische Langhaus wurde durch einen Haubarg ersetzt, die Warft nach Osten hin in die Kuhfenne hinein verbreitert. Hier ist die Eingangspforte, wie sie noch jetzt in Gebrauch ist, geschaffen und eine große Back- und Waschscheune errichtet sowie die Pferdeschwemme angelegt. Dieser Haubarg hatte die Front nach Westen; das Stallende mit dem Dunghaufen lag nach Osten. Die fertige Anlage zeigt folgende Skizze.

Durch diese Änderung wurde der Boosacker als Zufahrtsweg außer Funktion gesetzt. Er wurde mit Bäumen und Dorngesträuch bepflanzt und bietet seitdem einen guten Windschutz. Die Östliche Hausgraft ist bis auf das kurze Stück neben der Einfahrt zugeschüttet. Es muss gesagt werden, dass diese Neuanlage gut durchdacht, den veränderten Wirtschaftsverhältnissen angepasst und nicht über den Bedarf hinausgehend erscheint. Übrigens scheint der neue Haubarg reichlich Wohnräume gehabt zu haben. Außer der „Stube" gab es noch eine Westerstube, eine Hochstube, eine Giebelkammer auf dem Boden, einen Piesel, eine Diele und neben der Küche eine große und eine kleine Käsekammer sowie eine Speisekammer, außerdem einen Keller.

Mit dem Tode von Peter Tete Nommels Witwe im Jahre 1732 scheint der Besitz vollständig an den Schwiegersohn, den Lehnsmann Peter Jan Edens in Kating übergegangen zu sein. Von ihm erbte ihn sein Sohn Peter Jann Edens, der unbeerbt am 28.2. 1767 in Tetenbüll verstarb. Nun ging der Besitz an dessen Schwester Margaretha, verheiratet mit dem Rathmann Hans Hinrich Hansen in Tetenbüll, über. Dieser hat ihn bis zu seinem Tod im Jahre 1816 besessen und bewohnt. Die Gebeine dieses braven Mannes liegen in dem von ihm erbauten Grabkeller am Osterstegel auf dem alten Kirchhof in Tetenbüll, der noch jetzt zum Hofe gehört und bis dato von den Besitzern mit großer Pietät baulich instand gehalten worden ist.

Der Grabkeller trägt in Zierankern die Aufschrift HHH MH. Das soll heißen: Hans Hinrich Hansen und Margaretha Hansen. Der Volksmund aber liest: Hans Hinrichs hett magere Höhner. Im Jahre 1816 trat Jacob Martens, Lehnsmann in Tetenbüll, als Universalerbe seines Onkels den Besitz an und bewohnte den Hof. Er starb aber bereits im Jahre 1822, nachdem kurz vorher seine Frau gestorben war. Trindamm kam nun mit dessen übrigen Besitzungen in den Gemeinbesitz der unmündigen Kinder, und zwar Friederike Margaretha, Anna Cathrina, Anna Auguste und Peter Cornelius Martens. Dieser Zustand dauerte bis zum 17. Dezember 1828, als die älteste Tochter Friederike Margaretha ihre Mündigkeit erlangt hatte und daraufhin auf der Landschreiberei in Garding die Erbteilung erfolgte. Die Akte ist unterschrieben vom Vormund und Obervormund, Rathmann Claus Peters im Dreilander Koog, und Lehnsmann Jacob Alberts in Osterhever sowie von Hans Hinrichs.

Folglich war mein Großvater damals schon mit meiner Großmutter verlobt und daher als Mitvormund zugelassen. Trindamm kam bei der Teilung in den Gemeinbesitz der beiden Schwestern Anna Cathrina und Anna Auguste, meine Großmutter erhielt den Kanthorshof im Drögekoog und Peter Cornelius Martens den Hof im Grothusenkoog.

Im Jahre 1834 tauschte Hans Hinrichs den Kanthorshofgegen den Anteil seiner Schwägerin Anna Auguste, verheiratet an Peter Andresen in Garding, und kaufte den Anteil der Schwägerin Anna Cathrina, die mit Peter Rohr in Garding verheiratet war. So wurde er Besitzer von Trindamm.

Inzwischen hatte es auf Trindamm aber mancherlei Veränderungen gegeben. Jacob Martens hatte eine zweite Vergrößerung der Warftstelle durch Einbeziehung des Restes der Kuhfenne, soweit diese östlich der Warf lag, vorgenommen und dort einen Gemüsegarten hergerichtet. Dieser ist mit der eigentlichen Warft durch eine hübsche Holzbrücke verbunden. Sodann war im Jahre 1824 der einstmal von Peter Tete Nomrnels erbaute Haubarg mitsamt der Back- und Waschscheune abgebrannt und bereits im Jahre 1825 durch Neubauten ersetzt worden. Es ist dieses der Haubarg, der noch heutigen Tages steht, (s. Grundriss und Querschnitt auf S. 10 und 11) die damals neu erbaute Scheune aber ist im Jahre 1873, weil inzwischen überflüssig geworden, wieder abgebrochen worden. Die Baumaterialien wurden zur Instandsetzung des nahegelegenen Ahlbrandtshofes verwandt. Den Zustand nach Aufführung der Neubauten zeigt die Abbildung Nr. 7.

Dieser Zustand besteht zur Hauptsache bis auf den heutigen Tag. Der neue Haubarg hat gegen den alten eine veränderte Lage erhalten, indem die Front nach Süden, das Stallende mit dem Dunghaufen nach Norden gelegt ist. Dies erforderte die Zudämmung des nördlichen Armes der Hausgraft. Die Warft ist durch einen Lattenzaun in Vörwarf und Achterwarf getrennt. Die beiden Gärten sind nicht nur Obst- bzw. Gemüsegarten, sondern beide mit hübschen Zieranlagen verbunden und durchsetzt.

Der nördliche Teil des Gemüsegartens ist als Gehölz bepflanzt, dessen Kern ein kleiner Bestand, jetzt etwa 100-jähriger Eichen bildet; für Marschverhältnisse immerhin eine Seltenheit. Die Grotmömsfenne ist als solche verschwunden und der Kuhfenne zugelegt. Ihr (friesischer) Name ist inzwischen in Vergessenheit geraten. Die neue Scheune hatte etwa folgenden dargestellten Grundriss: 1. die Backstube mit dem Backofen (e) und diesem vorgelagert einen offenen Herd mit eingemauertem großen Waschkessel, 2. die Schulstube mit eisernem Ofen, fester Bettstelle (a) und „Spindjen" = Wandschrank (b) 3. den Raum hinter und über dem Backofen (e); dieser wurde benutzt zum Aufbewahren der in der Küche gewonnenen Strohasche. Der verbleibende große Scheunenraum enthielt noch die Bodentreppe sowie einen abgeteilten Hühnerstall (d). Er konnte im Übrigen je nach Bedarf als Booß und auch als Loo benutzt werden, den Sommer Über diente er als Wagenscheune und Aufbewahrungsraum für landwirtschaftliche Geräte.

Das nach dem Brande 1824 neu aufgeführte Wohn- und Wirtschaftsgebäude ist ein echter Eiderstedter Haubarg. Er enthält ein „Vörhus", die große Diele, zwei Stuben, den nicht heizbaren Pesel, Küche und Speisekammer und unter der letzteren den Keller. Das „Achterhus" enthält die Boos, Achterboos, Loh und Veerkant. Diese Haubarge bilden einen ganz eigenartigen Bauernhaustyp, der in so großer Zahl nur in Eiderstedt vorkommt. Sie enthalten im annähernd quadratischen Grundriss Wohn- und Wirtschaftsräume unter einem Dach. Wie Berge ragen sie in der flachen Marsch aus ihren meist baumreichen Gärten hervor und geben so landschaftlich Eiderstedt sein ganz besonderes, vom übrigen Nordfriesland durchaus abweichendes Gepräge. Trindamm ist eine kostbare Perle seiner Gattung. Im Jahre 1910 wurde er als schönster bodenständiger Haubarg Eiderstedts im Auftrage des heimatkundlichen Vereins im Kreise Husum (Nordfriesischer Verein) von Zimmermeister Jürgen Geertz in Husum mit einem Kostenaufwand von ca. 2000 Mark modelliert. Das sehr schön gelungene Modell, welches selbst kleine Einzelheiten wiedergibt, ist in den folgenden beiden Bildern dargestellt. Es befindet sich im Museum im Husumer Schloss.

Der Aufbau des gewaltigen Daches ist durchaus bemerkenswert. Nachfolgende Grundforderungen waren dafür bestimmend: 1. verlangte der landwirtschaftliche Betrieb einen möglichst freien Innenraum ohne Holzwerk; 2. hatten die Verhältnisse die Friesen gelehrt, dass die Außenwände als tragende Teile auszuschalten waren. Bei den öfters eintretenden Deichbrüchen und Überschwemmungen (die ersten Haubarge datieren aus der Zeit um 1600) musste das Haus auch dann noch standfest bleiben, wenn die Wände durch den Anprall der Wogen zerschlagen waren. Aus diesen beiden Grundregeln ist der Aufbau des Haubargs zu verstehen. Die ersten Haubarge waren wohl nur klein. Aber das ständig wachsende Raumbedürfnis, wie es die wirtschaftliche Entwicklung mit sich brachte, hat in der Folge zur Konstruktionen von ausnehmender Kühnheit geführt. Es sind Spannweiten bis zu 10 m freitragend zu überwinden, wie dies nur mit den stärksten pommerschen Kiefernbalken bewirkt werden konnte. Der nachstehende Querschnitt durch das Veerkant, im Verein mit den beiden Bildern des Modells, vermittelt die Zimmerkonstruktion der Haubarge. Das ganze Bauwerk wird getragen von vier lotrechten Stielen, den sogenannten Veerkant-Ständern, Hölzern von 10 m Länge und 40 x 40 cm Querschnitt. Diese tragen auf fest gelagerten Findlingen in einer Höhe von 10 m über Erdgleiche, wohlgemerkt also in einer Höhe gleich der Decke des 3. Geschosses eines städtischen Wohnhauses, ein horizontales Rahmenwerk, bestehend aus den beiden Rähmen und den beiden (quer darauf liegenden und sie verbindenden) „Schunken", von 9 X 18 m im Geviert. Diese Hölzer im Verein mit den Steckbalken (Stichbalken) und den zugehörigen Kneebanden (Kopfbändern) bilden den Stuhl (des Gulfgerüstesj. Dieser Aufbau des Stuhls ist das Markenzeichen aller echten Haubarge. Die Zahl der Veerkantständer steigt hierbei oftmals auf 6, bisweilen wohl auch auf 8, doch sind dann die Spannweiten geringer und dementsprechend auch die Hölzer schwächer. Aus den vorstehenden Darstellungen dürfte ersichtlich sein, dass die beiden Grundforderungen erfüllt sind. Störendes Holzwerk, welches dem Hantieren mit der Ernte hinderlich sein könnte, treffen wir nicht an. Die das Veerkant umsäumenden Kopfbänder stören nicht.

Das Mauerwerk ist zum Tragen der Dachkonstruktion nur in geringem Maße herangezogen. In der Zeit, als der Großvater die Großmutter nahm (1828), hatte unsere Hofanlage den Höhepunkt ihres Daseins erreicht. Breit und behäbig stand sie an der Landstraße. Die Gebäude, die gepflegten Gärten, das vorhandene Wasser in den breiten Graften, die geräumige Warft, alles nach Süden und den Blick zur Straße offen, wirkten harmonisch zu dem Gesamteindruck eines reichen und schönen Besitzes zusammen. Leben und Betrieb auf dem Hofe zeugten davon, dass hier nichts Unwahres vorgetäuscht wurde, sondern alles und jedes seine Daseinsberechtigung hatte und an seinem richtigen Platz stand. Der damals zum Hof gehörige Landbesitz ist auf der Kartenskizze ersichtlich.

Das meiste Land lag unterm Pflug. Das zweite Viertel des vorigen 19. Jahrhunderts war für Eiderstedt eine Zeit hoher landwirtschaftlicher Kultur. Nach der tiefen Depression in der Zeit der Kontinentalsperre (1803-07) und des dänischen Staatsbankrotts war der Kornanbau wieder lohnend geworden. Auf den Höfen herrschte ein Getriebe, wie es jetzt in der Landschaft ganz unbekannt ist. Betroffen war zuerst der Außenbetrieb: Hier hielt der Bauer „Uns Weert" die Zügel der Regierung fest in der Hand, alles musste in den überkommenen Formen vor sich gehen. In dem großen Betriebe durfte keine Stockung eintreten. Sein Vertrauensmann war der „Böwerknecht", ein reifer, mit allen Feldarbeiten wohl vertrauter Mann. Zwei weitere Leute, der „Unnerknecht" und der „Winterknecht" unterstanden seiner unmittelbaren Anleitung. Dazu kamen mehrere ständige Tagelöhner, welche in der Nähe wohnhaft waren. Sie verrichteten ihre Arbeit teils in Akkord und auf eigene Kost, teils im Tagelohn und erhielten dann ihre Beköstigung auf dem Hofe. Vor Beginn der Saatzeit, am „Petersdag" (21. Februar; Petri Stuhlfahrt), rückten zwei oder drei Dienstjungen an, sie kamen meistens von der Geest. Angebaut wurde Rapssaat, Weizen, Bohnen, Gerste, Hafer,Mengfutter (meist Hafer und Gerstej. Ein Teil des Ackerfeldes lag in Brache (Sommerfalli) (falligen = flach umpflügen; Sommerfalli = Vorbereitung des Ackers für die Wintersaat). Es wurden 10-12 Arbeitspferde gehalten. Die Saatzeit dauerte bis Ende Mai und hielt alle Gespanne und alle verfügbaren männlichen Arbeitskräfte von früh bis spät in angestrengter Tätigkeit. Um Johanni (Johannistag: 24. Juni) begann die Heuernte. In der Zwischenzeit hatte die Brache dafür gesorgt, dass Mann und Pferd nicht ganz außer Übung kamen. Der Heuernte folgte, Ende Juli der Raps. Hierbei fanden schon die ersten fremden Schnitter Beschäftigung. Sie blieben bei Fortschreiten der Ernte bis zum Herbst. Die Weizenernte begann Anfang August. Dann folgten Gerste und Hafer, bis zuletzt, bei beginnendem Frost, die Bohnen eingebracht werden konnten. Haubarg und Scheunen waren fast bis unter die Dachfirste voll, und draußen reihten sich je nach der Ergiebigkeit der Ernte Kloth an Kloth. Mit Beginn der Weizenernte oder schon vordem waren die Drescher, vier Mann, eingetroffen. Sie kamen aus der Propstei und wurden in Eiderstedt „Micken" genannt. Sie hatten einstweilen mit bei der Ernte geholfen oder in der Zwischenpause auf der Lohdiele schon ihre Tätigkeit begonnen. Fortan hörte man ihr regelmäßiges Klipp-Klapp vom frühen Morgen bis abends 7 Uhr den ganzen Winter hindurch. Alle Räume des jetzt einsamen Haubargs waren mit reger Tätigkeit erfüllt. Der Hof gab vielen Leuten Nahrung, Verdienst und Wohnung (ein Dach überm Kopf).

Eine gewisse Geselligkeit entwickelte sich an schönen Sommerabenden nach Feierabend. Vor der Südertür auf der Sönnbank saß der Bauer mit seiner Familie. Der Böwerknecht mit den im Hause wohnenden Tagelöhnern fand sich vor der Boostür ein. Sie rauchten und sahen dem Spiel der Mücken zu. Vor der Küchentür gab sich das junge Volk ein Stelldichein. Dann ertönten an einem dieser Sammelpunkte die Klänge einer Handharmonika in den Abend hinaus. Über allem thronte auf hohem Dachfirst die Familie Adebar und schaute bedächtig dem Treiben da unten zu. Langsam ging es in den Winter hinein. Schnitter und Dienstjungen waren in ihre Heimat abgereist. Anfang November wurde das Vieh aufgestallt. Das rege sommerliche Treiben ebbte allmählich ab, fremde Menschen sah man hier nur selten. Es wurde einsam auf Hofplatz und Feld. Aber im Hause pulsierte das Leben weiter. Die schwere sommerliche Arbeit war nun einer leichteren beschaulichen Tätigkeit gewichen, die sich zur Hauptsache um die Versorgung des Viehs drehte. Dazwischen tönte das nimmermüde Klipp-Klapp von der Lohdiele her. Bei Frost. der auch dem letzten Rest an Außenarbeiten ein Ende setzte, übte man sich in den Futterpausen im Boßeln. Abends führte des Lichts gesellige Flamme die Hausbewohner zusammen, aber an zwei verschiedenen Tischen. In der Wohnstube die Herrschaft, in der Schlafstube das Personal zum Abendbrot. Gemeinsamer Tisch ist in Eiderstedt nicht üblich.

Dieses Gleichmaß der Tage wurde von den hohen kirchlichen und einigen häuslichen Festlichkeiten angenehm unterbrochen, bis das Frühjahr wiederum alle Mann in die gewohnten Sielen rief. Im Vörhus waltete die Bäuerin, „Uns Fru," ihres Amtes und hielt nicht minder strenge Ordnung. Ihr standen für Küche und Keller zwei Mädchen, „Grotdeern" und „Lüttdeern" zur Seite, dazu kam wohl in den besseren Hausständen noch eine „Binnerdeern", und wenn kleine Kinder zu warten waren, eine „Kinnerdeern". Außerdem wurden für besondere Fälle wie Schlachten und Hausreinmachen noch Arbeitsfrauen nach Bedarf angenommen. Es gab aber auch viel Arbeit zu bewältigen. Nicht allein, dass für den volkreichen Hausstand täglich der Tisch zu bereiten war, und zwar getrennt „buten" und „binnen", auch das Backen des täglichen Brotes, welches alle 14 Tage wiederkehrte, sowie das Brauen des täglichen Getränks, des Braunbiers, brachte viel Arbeit und erforderte Kenntnisse und Umsicht.

Dazu kam die Milchwirtschaft und was damit zusammenhängt: die Pflege der jungen Kälber, die Überwachung der Pflege des Hühner- und Entenstalles, ferner im Sommer wohl etwas Gartenarbeit und endlich das Spinnen der Wolle und des Flachses für die Familie und den Hausstand. Bei der Ernte wurden die Mädchen nur gelegentlich, wenn sich das Veerkant schon stark gefüllt hatte, als „Tosmieter" in den einzelnen etagenartig übereinander liegenden „Forklöchern" mit in Anspruch genommen. Sonst war Frauenarbeit bei der Landwirtschaft in Eiderstedt nicht üblich. Wenn auch die Arbeit der Mädchen auf den Haubargen nicht so schwer war wie die der Männer, so waren sie doch sicher der am meisten geplagte Teil. Für die Mädchen gab es den Tag über keine freie Stunde, und Feierabend hatten sie meistens erst, wenn sie abends ins Bett krochen. Besonders der „Lüttdeern" wurden die unangenehmsten und unsaubersten Arbeiten zugeschoben. Sie war das Aschenbrödel des Hauses und wurde ihres Aussehens wegen wohl auch scherzweise „Schiedpudel" genannt.

Das offene Herdfeuer wurde mit Stroh, hauptsächlich Raps- und Bohnenstroh unterhalten. Davon wurden täglich große Mengen gebraucht und die „Strohhörn" mussten an manchen Tagen mehrmals frisch gefüllt werden. Aus diesem Heizmaterial wurden kunstgerecht sogenannte „Lüchten" gedreht (Lüchtfüer) und diese mit der Lüchtforke, einer großen eisernen Gabel mit langem Stiel, unter die an den Kesselhaken frei hängenden Kupferkessel oder die auf dem eisernen Dreifuß stehenden Grapen geführt. Die in großen Mengen sich ansammelnde Asche kam zunächst in den Doetputt??, ein großes feuerfestes Gefäß mit dicht schließendem Deckel (niederf. doofpott = Gefäß, in dem die Glut des offenen Herdfeuers über Nacht aufbewahrt wurde). Später wurde sie an einem trocknen Ort aufgeschüttet und dann gelegentlich an herumreisende Händler verkauft, um endlich in Fabriken zu Pottasche verarbeitet zu werden. Bei dieser Art der Küchenfeuerung wurden Kessel, Grapen und Töpfe in dem sich entwickelnden Rauch immer sehr schnell schwarz und mussten nach jedem Gebrauch frisch gescheuert werden. Hierfür stand ein sogenannter „Schürtrog" bereit. Er enthielt Lehm und Sand, den "Grapenlepel" usw. Mit dem letzteren wurde der gröbste Ruß abgeschabt sowie das Innere der Breigrapen von den angesetzten Pelzen gereinigt. Die weitere Säuberung erfolgte dann mit Schrubbern und Heuwischen unter Zuhilfenahme von Lehm und Sand, bis alles mit reichlich Wasser abgespült und auf besonderem Gestell, dem „Grapen- und Ammerrick" wieder blitzblank an seinen Platz gestellt werden konnte.

Die tägliche Beköstigung war fett und deftig, Beliebte Gerichte waren Mehlbüdel, Grünkurzkohl, Erbsehsuppe, Klöße (aus Gerstenmehl) mit ausgebratenem Speck (Fett un Klümp), alles mit Beigabe von Speck und Fleisch, Schwarzsauer. Am Backtage gab es Puffer (Stüv), am Buttertage Buttermilchsuppe mit Klößen, sonnabends allgemein Pfannkuchen, sonntags Sauerbraten, Rollen (saure Rollen) oder dergleichen. Die ständige Morgen- und Abendkost war Graupenbrei mit Warmbier oder Milch, dazu Brot, im Sommer von Mai bis Michaelis mit Butter, sonst mit Fett (Schmalz). Von Mai bis Michaelis wurde außerdem noch nachmittags um vier Uhr ein Vesperbrot (Abendbrot) bestehend aus Brot, Butter und Käse mit Braunbier gegeben. Das Brot war das ganze Jahr hindurch das eigen gebackene Schwarzbrot, nur in der Weihnachtszeit, vom 24. Dezember bis 2. Januar, wurde ausschließlich Weißbrot, und zwar mit Butter, gegessen. Überhaupt gab es dann Festtagsgerichte, auch ruhte in dieser Zeit alle und jede nicht unbedingt nötige Arbeit. Am Weihnachtsabend, Neujahrsabend und zur Fastnacht gab es Förtchen (Fortjens), am Osterabend hartgekochte Eier soviel nur jeder essen mochte.

Besonders fette Zeiten waren die Schlachttage, zugleich die einzigen Zeiten, an denen es frisches Fleisch gab. Eingeschlachtet wurden nacheinander ein halbes Dutzend Gänse, 2-4 Rinder und 2-6 Schweine. Die Gänse wurden im Herbst nach beendigter Mast geschlachtet. Gänsebrüste und Keulen kamen in Essig zum späteren Braten, alles andere in Schwarzsauer. Das Schlachten der Rinder geschah Ende Oktober bis Mitte November. Es war dies ein richtiges häusliches Fest. Dazu kam ein Hausschlachter auf den Hof. Die geschlachteten Tiere wurden zum Auskühlen an den Lohbalken hochgewunden. Das meiste Fleisch kam in die Pökelbaljen (Holzfässer), die großen Stücke später in den Rauchfang. Doch wurden auch Sauerbraten und die beliebten (sauren) Rollen eingelegt, Schwarzsauer hergestellt und Würste gemacht. Am Schlachttage gab es Blutmehlbeutel mit Rosinen, am zweiten Tage die kräftige Schlachtersuppe, später den Schlachterbraten. Die letzte Arbeit war das Ausbraten des Talges und Lichtstippen. Letzteres geschah mit Hilfe eines sogenannten Lichttisches mit runder drehbarer Platte.

Die Schweine wurden gewöhnlich kurz vor Weihnachten oder bald nach Neujahr geschlachtet. Das Fleisch kam entweder in die Pökelbalje oder ins Schwarzsauer. Beim Schweineschlachten gab es allemal ein Wurstessen. Es wurden zwei Sorten, Blut- und Leberwurst, beide mit viel Grütze hergestellt und warm mit Sirup gegessen. Nach dem Schweineschlachten kam der Alltag wieder durchaus zu seinem Recht. Anfang Januar wurden mit dem Schneiden des „Ploghackels" (gehäckseltes Stroh, Futter für die Pferde) schon wieder die ersten Vorbereitungen für die Saatzeit eingeleitet. Und damit hatte sich der Kreislaufdes Jahres wieder vollendet.

So ungefähr sah es zu Großvaters Zeiten um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Eiderstedt und auf Trindamm aus. Jetzt ist es längst ganz anders geworden. Die ganze Landschaft liegt in Weideland. In manchen Kirchspielen sind kaum noch ein paar Fennen Pflugland zu finden. Die Zeit des Haubarges ist unwiederbringlich dahin, auch wenn nicht vorherzusehende Ereignisse den Bauern wieder an den Pflug zwingen sollten; der Haubarg ist nicht mehr zeitgemäß. Seit einem halben Jahrhundert ist keiner gebaut, wohl aber eine große Anzahl abgebrochen. Die Zeit, da der letzte Haubarg verschwinden wird, ist abzusehen.

Unser Großvater trat den Besitz wie bereits erwähnt im Jahre 1834 an und bewohnte ihn bis zu seinem Tode im Jahre 1858. Schon während seiner letzten Lebensjahre wurde wohl so manche (Pflug-)Fenne „to Gras leggt". Im Übrigen war zu seiner Zeit der Hof noch immer eine sehr volkreiche Siedlung. Für seine zahlreiche Kinderschar hielt er sich meistens, da namentlich im Winter der Schulweg nach Tetenbüll sehr beschwerlich war, einen Hauslehrer. Die Schule wurde in der Scheunenstube gehalten. Nach seinem Tode teilte die Witwe das Erbe mit ihren Kindern. Sie selbst hielt den Hof mit 70 Demat Land. Bei der Verheiratung des einzigen Sohnes Hans Hinrichs (VI), wurde diesem der Hof mit einem Teil des Landes gegeben. Dieser Zustand dauerte bis 1873. Hans Hinrichs ) erhielt den Hof mit 20 Demat Land als Eigenbesitz, während sein ursprünglicher Erbteil, der nahe Ahlbrandtshof an seinen Schwager Johannes Claußen kam.

Damit war der große Bauernhof auf den Besitzstand einer Milchstelle herabgedrückt. Die Folgen davon konnten denn auch unmöglich lange ausbleiben. Mit dem Austausch fielen zunächst die Scheune und der die Vörwarf abgrenzende Holzzaun. Dem neuen Besitzer war es selbstverständlich auch nicht möglich, die umfangreichen Ziergartenanlagen aufrecht zu erhalten. Sie bildeten sich langsam, dieser einem Grasgarten mit Obstbäumen, jener zu einem reinen Gemüsegarten, um. An dem Gebäude aber wurde nichts geändert.

Hans Hinrichs (VI) hat den Hof bis zu seinem Tode im Jahre 1918 bewohnt, eine lange Zeitspanne, 57 Jahre, die keiner der Vorbesitzer auch nur annähernd erreicht hat. Im Jahre 1911 feierte er im Kreise seiner Kinder und Enkel mit seiner Frau das Fest der Goldenen Hochzeit. Alle waren sie gesund und lebensfroh. Die ganze Hofanlage strahlte peinlichster Sauberkeit, im Glanze eines warmen Septembertages. War es ein letzter Sommerblick, den ein gütiges Geschick dem alten Anwesen und seinen Bewohnern zu geben vermochte? (Abb. Stammtafel)

Nicht lange danach, 1912 starb plötzlich, infolge eines Wagenunfalls der jüngste Sohn Wilhelm. Er war nicht verheiratet und auf Trindamm seit langem der Mittelpunkt des Familienlebens und Bewirtschafter des Besitzes, dessen Areal sich inzwischen durch ein Erbteil auf 40 Demat vermehrt hatte. Da der Vater wegen vorgerückten Alters nicht mehr recht wirtschaften konnte, wurde an der Stelle, wo früher die alte Scheune gestanden hatte, nun für die Eltern ein kleines Wohnhaus gebaut. In den Haubarg zog der verheiratete Sohn Friedrich Adolf (1871-1946) als Pächter ein. (Er hat den Hof wahrscheinlich später als Erbe erhalten). Dessen Sohn Adolf (1903-1945, vermisst) übernahm 1938 den Hof nach der Heirat mit Frauke Margarethe Hansen (1916-1994) als Pächter. Frauke Margarethe Hinrichs bewirtschaftete den Hof bis zur Volljährigkeit ihres Sohnes Hans Joachim Hinrichs im Jahre 1959, der ihn bis heute (und noch 2019) mit seine Frau Renate bewohnt).

Der Name Trindamm Zur Übertragung des Namens Trindamm auf den Hof ist Folgendes zu berichten. Die fünf Söhne von Hans Hinrichs (IV) hatten sämtlich eine große Nachkommenschaft. In jeder Kinderreihe war zu Ehren des Großvaters immer ein Hans vorhanden. So waren in der heranwachsenden Vetternschaft gegen die 1850er Jahre die „Hänse" so zahlreich geworden, dass es zu ihrer Unterscheidung eines Beinamens bedurfte. So wurde ein Sohn von Nr. 32, Tafel III, der von einem Hofe in der Nähe von Tetenbüll-Spieker stammte, Hans Spieker, ein Sohn von Nr. 35, Tafel III am Löwenhof in der Nähe eines Deichhörns in Osterhever, der Nordpol heißt, Hans Nordpol, und ein Sohn von Nr. 33, Tafel III nach dem zum Elternhof benachbarten Trindamm im Familienkreis als Hans Trindamm bezeichnet. Da dieser letztere Hans Hinrichs (VI) den betreffenden Hof an die 60 Jahre bewohnt hat, ist von ihm der Name wiederum auf den Hof übertragen. Diese Bezeichnung ist inzwischen allgemein gebräuchlich geworden.

Bearbeitet von Gerd Kühnast, Dezember 2007


(1) Anmerkung GK: Es gab jenseits des Hundsteerts eine Trinhallig. Der Name bezieht sich wohl eher auf diese Bezeichnung.
(2) Adenbüller Koog > NF Lexikon

Quelle IGB-Archiv, Der Maueranker 04/2007

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